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Informationen zum Thema

Das Ausland

Republik Arcion

Hauptstadt: Arindale

Einwohner: Geschätzte 700‘000 Wesen

Regenten: Volkstribune Mark Pharsus, Irene Kohsinn und Anna Haregg

Die Republik von Arcion ist eine aufstrebende Republik im Westen des Kontinents. Diese Region bestand nach dem Rückzug des Kaiserreichs Kaleer lange Zeit aus miteinander rivalisierenden kleinen Fürstentümern, die um die Nachfolge im Machtvakuum stritten. In der eigentlich nur mittelgroßen Stadt Arindale kam es eines Tages zum Umsturz und eine Republik wurde ausgerufen, mit dem Ziel endlich Frieden, Freiheit und Wohlstand zu schaffen. Aufgrund der allgemeinen Kriegsmüdigkeit versammelten sich schnell viele einfache Bürger und Soldaten unter dem Banner Arindales. Nach einer Reihe von schnellen Siegen hatte Arindale die Vormachtstellung in der Region errungen. Als einige abgesetzte Fürsten jedoch einen Umsturz versuchten, war dieser nur teilweise erfolgreich und es kam zu einem mehrjährigen Chaos, das in Lynchjustiz gegen viele Adlige endete. Erst der Klerus konnte durch sein Eingreifen noch Schlimmeres verhindern, weshalb er noch heute von beiden Seiten großen Respekt genießt. Der Großteil des Adels floh allerdings ins Ausland und träumt immer noch von einer Wiederkehr. Das war vor etwa 50 Jahren. Seitdem hat sich in Arcion durch den Frieden und die Freiheit der Bürger ein beachtlicher Reichtum entwickelt.

Politisch wird Arcion von einem Senat in Arindale beherrscht. Die Senatoren sind mehrheitlich sehr wohlhabende Bürger aus Arindale oder anderen grösseren Städte, ehemalige Offiziere, einflussreiche Mitglieder des Klerus und einige wenige verbliebene Adelige und Patrizier. Der Senat wählt jählrich drei Volkstribune, die das Land mit Billigung des Senats zu verwalten haben. Daher wird die Politik von Arcion oft von Demagogen bestimmt und ist äußerst sprunghaft.

In Arcion gibt es nahezu keine Standesschranken mehr. Der ehemalige Adel darf sich im Land zwar schon lange wieder niederlassen und Teile seiner Güter zurückfordern, doch nur wenige nutzen das Angebot, da viele noch auf einen Sturz der Republik hoffen. Es ist in Arcion üblich, dass sich alle mit „Bürger“ anreden lassen, sogar der Klerus. Dennoch besitzt der Klerus noch einige Privilegien, z.B. sind die Besitzungen der verschiedenen Kirchen unabhängig von staatlichen Gesetzen. Zusätzlich haben sich von Philosophen ausgebildete Rhetoriker zu einer Art Ersatzadel entwickelt, da nahezu nur sie auch in wichtige Ämter gewählt werden.

Wirtschaftlich lebt Arcion vor allem von der Herstellung und Verkauf von Luxusgegenständen wie Gewänder, Gewürze, Teppiche, Schmuck, Kunstgegenstände etc. Die Bodenschätze wurden in der Vergangenheit unter dem Kaiserreich Kaleer ausgebeutet, weshalb Arcion sehr Importabhängig ist.

Aber damit die Kartographen nícht ohne Arbeit bleiben, kommen zunächst einmal die wesentlichen Eckdaten über Arcion. Arcion ist eine Republik mit (hier!) geschätzten 700.000 Einwohnern. In den Verlautbarungen der Republik, als ich noch dort lebte, hieß es immer, die Bevölkerung hätte die 1 Mio. Marke bereits überschritten. In der elbischen Bevölkerung, zu der ich mich damals auch zählte, hielt man diese offizielle Zahl für dreiste Propaganda. In Wahrheit sollte die Bevölkerungzahl wesentlich niedriger liegen. Regiert wird die Republik Arcion von der Hauptstadt Arindale (knapp 85.000 Einwohner) aus durch einen Senat von 120 Mitgliedern, die alle sechs Jahre nach einem festem Schlüssel zu je einem Drittel nachgewählt werden.

Das war jetzt so verwirrend, dass ich es selbst nicht mehr verstehe. Also noch einmal: Die Amtszeit eines Senators beträgt sechs Jahre. Alle zwei Jahre werden je 40 Senatoren nachgewählt plus die Senatoren, die außerplanmäßig ihr Amt nicht mehr ausüben können. Aus der Reihe der Senatoren werden jedes Jahr drei Volkstribune als Regierungschefs gewählt. Derzeit sind dies Mark Pharsus, Irene Kohsinn und Anna Harregg.

Arindale ist nur die drittgrößte Stadt in Arcion, wurde aber dennoch zur Hauptstadt erkoren, weil dort die Revolution begann, die zur heutigen Regierungsform führte. Arindale ist als große Hafenstadt in einer geschützten Bucht gelegen die wichtigste Handelsstadt. Größte Stadt ist mit 105.000 Einwohnern Perwinna, westlich vom Eisengebirge und genau südlich vom Silbersee am Fluss Perwa gelegen. Zwei Gründe machen die Stadt so erfolgreich. Zum einen finden sich in der Umgebung auf engem Raum die bevorzugten Lebensräume aller Rassen, was Perwinna zu einer von allen Rassen durchmischten Stadt macht. Zum anderen befinden sich hier die Hauptstützpunkte der Streitkräfte, strategisch günstig nicht weit von Kaleer entfernt, das man allgemein im Land als “gefährlichsten” Nachbarn einschätzt. Zweitgrößte Stadt ist die Heimatstadt meiner Familie mütterlicherseits, Etîaedel (99.000 Einwohner), südlich des Schlingenwaldes und am Otterseer Hügelland gelegen. Was es mit der Stadt auf sich hat, erzähle ich im zweiten Teil der Rede.

Schnell zur Verteilung der Rassen. Die Zwerge leben und arbeiten natürlich vornehmlich in den Gebirgsregionen und im Hügelland, als da wären das Kristallgebirge im Norden und das bereits erwähnte Eisengebirge im Süden. Die Halblinge besiedeln hauptsächlich die Tieflande, die Elben die Waldgebiete, das Hügelland und die nördlichen Regionen des Reiches, das an Narêvién angrenzt. Die Menschen haben sich über das ganze Reich verbreitet, sie stellen nach offiziellen Zahlen rund 40 Prozent der Bevölkerung, die Elben 30 Prozent, die Halblinge 25 Prozent und die Zwerge 5 Prozent.

Damit, werte Räte, endet der erste Teil meiner Rede. Wem also jetzt nach Ränkeschmieden, Liebesgesäusel oder einfach einem den Geist reinigenden Spaziergang zumute ist, dem will ich den sonnenbeschienenen Schlosspark empfehlen. Die übrigen quäle ich mit meinen persönlichen Einschätzungen und noch etwas Hintergrundwissen zu Arcion.

Soltan wartet bis einige Räte ihre Niederschriften eingesackt haben und sich Richtung nächsten Gasthauses begeben

Bei Gründung der Republik, die hauptsächlich von Menschenhand und -geist entstand, wurde der Adel verjagt, niedergemetzelt oder hingerichtet. Das (groß-)bürgerliche Lager übernahm die Macht, unterstützt von den reichen Kaufleuten des Landes, die ihrerseits ihren politischen Einfluss durch Sitze im Senat verfestigen konnten. Doch weil den neuen Herrschern die politische Erfahrung fehlte, die geflohenen Adligen im Ausland politischen Druck aus den Nachbarreichen (mit Ausnahme von Kalleer) aufbauen konnten und die Machtverhältnisse in Arcion alles andere als stetig waren, beugte man sich dem Druck und ließ den Adel wieder ins Land, gab ihnen sogar stillschweigend Teile ihrer Länderreichen zurück gegen die Zusicherung, sich den politischen Gegebenheiten zu beugen.

Es ist interessant, dass dieses Konzept bei den Rassen ganz unterschiedlich aufgegangen ist. Die Menschen haben sich vollständig an das neue System angepasst, die Zwerge weniger, aber sie spielen schon aufgrund ihrer niedrigen Einwohnerzahl kaum eine Rolle und leben dazu in schwer zugänglichen Regionen. Die Halblinge konnten sich mit dem republikanischen Gedanken schon eher identifizieren, gingen aber einen Sonderweg, indem sie eigene Traditionen durchsetzen konnten.

Am wenigsten haben die Elben das politische System akzeptiert. Aus Protest läßt sich keine noble Elbenfamilie in den Senat wählen. Bei diesen Fürstenfamilien bestehen familiäre Beziehungen zu dem elbischen Adel in Narêvién, bis hin zur Familie der Hochkönigin. Da Arcion wegen seiner Rohstoffarmut auf Importe von dort dringend angewiesen ist, blieb dem Senat nichts übrig, als den Elben im Reich einen Sonderstatus einzuräumen.

Wie alle anderen Bürger des Reiches mussten sie auf ihre Titel verzichten und wurden offiziell als “Bürger” bezeichnet. Untereinander bleibt ihnen aber der traditionelle Umgang erlaubt. Auch ihre Ländereien dürfen sie unter ständiger Beobachtung eines Senatsbeauftragten, meist ein kleiner Beamter, der wenig Ehrgeiz gezeigt hat, nach ihren Vorstellungen bewirtschaften. Und was man öffentlich nie zugeben würde, sie tun es effizienter und ertragreicher als auf den nach offizieller Ideologie geführten Unternehmen. Etîaedel (= elbisch: grünes Juwel) ist die Stadt, in der sich -nennen wir sie einmal Freunde der Traditionen- treffen, und zwar unabhängig ihrer Rasse. Man hat sich einen gewissen Freiraum gegenüber der Regierung in Arindale verschafft, solange man einen Löwenanteil zur Produktivität des Landes beiträgt, und vor allem über diese Übereinkunft Stillschweigen bewahrt. Es ist daher nur im Interesse des Senats, dass sich kein Etianer (wie man sie in Arindale fälschlicherweise nennt) bei ihm blicken läßt.

Kaiserreich Kaleer

Hauptstadt: Riada

Einwohner: Geschätzte 1‘000‘000 (von 250‘000 in Riad)

Regent: Kaiser Volort

Das Kaiserreich Kaleer ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Vor vielen Jahren erstreckte sich Kalleer über beinahe die hälfte des Kontinents und war ein Kaiserreich, mit dessen Macht es zu seiner Zeit niemand aufnehmen konnte.

Doch wie es der Lauf der Geschichte ist, Thronstreitigkeiten, aufständischen Provinzen, Hungersnöte und überforderte Herrscher liesen das einst gewaltige Reich zusammenschrumpfen. Doch noch immer, wenn man durch die Strassen Riadas geht, die Prunkbauten alter Patriziergeschlechter, Statuen vergangener Kriegsfürsten oder alte Tempel betrachtet, wird jedermann daran erinnert, welch grösse dieses Reich einst hatte und das die Kalleeraner zurecht stolz auf ihre Vergangenheit sind. Kaleer wird von König Volort regiert von seinem Palast in Riada aus. Im zur Seite steht ein Hoher Rat aus Provinzstatthaltern, Militärs, und anderen Mitgliedern des Adels.

Im Norden und Nordosten des Landes besitzt das Reich grosse Erz- und Silbervorkommen, was auch immer wieder zu Streit, Scharmützeln und politischen Interventionen zwischen Kaleer und Arcion führt. Über die Flüsse die die Hauptstadt Riada mit dem Gebirge verbinden wird das abgebaute Erz und Silber in die verschiedenen Städte transportiert und schlussendlich über die grossen Häfen des Landes verschifft um damit Handel zu treiben. Die grossen Wälder im Osten des Reiches werden ebenfalls als Rohstoffquelle genutzt und nicht nur im eigenen Land verarbeitet, sondern auch als Handelsgut ins Ausland verkauft.

Allgemein wird die Handwerkskunst in Kaleer verehrt und gefördert. Die Metallverarbeitung hat in Kaleer Tradition. Was die Herstellung von Waffen, Rüstungen und Schmuck angeht, vermag sich kaum ein Land mit den Fähigkeiten und Kunstfertigkeit der Kaleeraner zu messen.

Die Standesschranken sind wohl nur in wenigen Ländern so streng wie in Kaleer. Staatsämter, Offizierslaufbahnen und Landbesitz bleiben dem Adel und den Stadtpatriziern vorbehalten. Die Priesterschaft geniesst viele Privilegien innerhalb des Staates und wird vom Kaiser unterstützt. Trotzdem bleibt der Kaiser gleichzeitig Hohepriester des Sarùtan und ist damit ebenfalls Oberhaupt der Religionsgemeinschaft der wohl ein Grossteil der Bevölkerung des Landes angehört. Die Stadt Riad ist die wohl gösste und dicht besiegeltste Stadt von Estona. Selbst die Elben- und Zwergenstädte können mit Riad nicht mithalten.

Über die Geschichte Kaleers könnte man hier eine ganze Reihe an Reden halten, schon alleine wenn man alle Schlachten und Kaiser aufzählen möchte. Ich will deshalb eine kurze Abhandlung über die Geschichte Riadas und Kaleers halten. Bevor ich damit aber anfange, muss gesagt sein, dass die Zeitangaben in dieser Geschichte sich auf den Kollarinkalender (kurz KK) beziehen. Das Jahr Null in diesem Kalender wäre 644 vor der Gründung Nāscors. Das nur damit Ihr euch etwas unter den Jahreszahlen vorstellen könnt.

Riada war schon zu Beginn der neuen Rassen eine Sieldung und dank ihrer guten Lage, wuchs Riada sehr schnell und breitet ihren Einfluss auf die umliegenden Gebiete aus. Ein Fürst Solathen war es, der mit rücksichtsloser Härte die Gebiete rund um die Stadt unterjochte und so Riada zur Vorherrschaft in diesem Gebiet führte. Sein Enkelsohn war es, Kollarin, der sich selbst zum Kaiser von Kaleer krönte und damit das Kaiserreich begründete. Auf seine Krönung und seinen Namen ist auch der noch heute gebräuchliche Kalender Kaleers zurückzuführen. Er war es auch, der mit dem expansiven Streben gegen seine Nachbarn begann. Schon im Jahre 90 des Kollarinkalenders beherrschte Kaleer grosse Teile des südlichen und westlichen Estonas. Die kleineren Fürstentümer, Stämme und Stadtstaaten, die sich ansonsten auf dem Kontinent ausgebreitet hatten, waren der schlagkräftigen Armee und der strafen Verwaltung Kaleers nicht gewachsen und so machte sie das Kaiserreich immer mehr Gebiete untertan. Es war im Jahre 156 KK, als nicht weit von hier, viele der freien Völker sich zusammenschlossen und gegen die Truppen Kaleers marschierten. Kaiser Lothan III., der zu jener Zeit das Reich regiert, sah sich einer ernsten Bedrohung ausgesetzt. Es war das erste Mal in der Geschichte des Kaiserreichs, dass eine grosse Schlacht verloren ging. Lothan III. floh vom Feld des Geschehens und ließ seine Armee zurück. Doch die Zerstrittenheit der Sieger und ihre unterschiedlichen Motive verhinderten, dass aus der Schwäche Kaleers Profit geschlagen werden konnte. Nur sieben Jahre später kehrte Kaiser Lothan III. zurück und in der Nähe von Radhorn (natürlich hatte die Stadt damals noch einen anderen Namen), trat er erneut zur Schlacht an. Dieses Mal war er siegreich und im Gegensatz zu seinen Kontrahenten zögerte er nicht, seinen Erfolg auszunutzen. Er unterwarf beinahe alles, was wir heute als Königreich Nāscor kennen.

Danach kehrte eine Periode der Ruhe und des Friedens ein. Doch im Stillen rüstete sich Kaleer bereits zum nächsten Krieg. 207 KK begann Kaiser Lothan V. einen Feldzug, um den Westen Estonas zu unterwerfen. Es sollte ein mehr als 30 Jahre andauernder Feldzug werden, an dessen Ende Kaleer sich auch diese Gebiete einverleibte. 226 KK war es Kaiser Lothan VI., der die Unterwerfung der letzten freien Städte im heutigen Arcion entgegennahm. Erneut sollte eine Epoche der Ruhe und des Friedens einkehren, in denen sich als Völker des großen Kaiserreichs entwickeln konnten. Die Machtansprüche der Kaiser von Kaleer waren aber noch nicht befriedigt.

389 KK begann das Kaiserreich einen Feldzug gegen Norden, gegen die Elbenfürsten. Die Elben, die bereits früher Kaleer bekämpft hatten, wurden von dieser Dreistigkeit überrascht, so sagt zumindest die Geschichtsschreibung und vermochten sich zu Beginn kaum zu wehren. Sieg an Sieg konnte Kaiser Goreus aneinanderreihen und es sah so aus, als wäre bald Horim der letzte Staat, der nicht unter dem Banner des Kaiserreichs stand. Auch die Zwergen Horims, die sich sonst kaum außerhalb ihrer Berge zeigten, erkannten den Zahn der Zeit und verhalfen den Elben zu einem Sieg im Jahre 410 KK. Goreus und sein ältester Sohn fielen in der Schlacht. Kaum jedoch war der Sieg errungen, zogen sich die Zwerge zurück in ihr Reich und die Elbenfürsten, geschwächt vom Krieg, beließen es dabei, die Reste ihres Reiches zu schützen. Die Niederlage schwächte Kaleer nur kurz und sie wussten, dass sie ein Bündnis zwischen den verbleibenden freien Völkern verhindern mussten. So trieben sie mit ihren Armeen ein Keil zwischen Narevien und Horim. Einen weiteren Angriff wagten jedoch auch sie nicht.

Ein Reich, dass eine Grösse hat, wie es Kaleer damals hatte, brauchte auch einen Feind, den es bekämpfen konnte. Doch die Elben in Narevien hatten bewiesen, dass sie ein Gegner waren, den selbst Kaleer nicht so einfach niederringen konnten und ein Kampf in den Bergen Horims, war ein strategischer Albtraum. Aus diesen Gründen wendet sich Kaleer dem letzten Feind zu, den es noch hatte: Dem wilden Ostland. Zwischen 450 und 550 KK gab es verschiedene Expansionen in den Osten. Der berühmte Feldherr Vrederik zu Tieschenn führte wohl die einzige Expedition an, die es bis in die tiefen des Ostlands schaffte. Darüber werde ich berichten, wenn ich meinen letzten Auslandsbericht über den Osten abliefere.

Gleichzeitig bedeuteten diese Expansionen in den Osten auch den Anfang vom Ende des Kaiserreichs. Mit dem Untergang von Vrederik zu Tischenns Armee, irgendwo im Osten, verschwanden auch grosse Teile der Truppen Kaleers. Das Reich war verschuldet, die Steuern erdrückend hoch und die Adligen und der Klerus bedienten sich maßlos an allem, was sie in die Finger bekamen. Es kam zu Aufständen und Rebellionen. Die ersten Umsturzversuche vermochte Kaleer noch niederzuringen, bald jedoch war dies nicht mehr möglich. Teil des Nordens und des Westens sagten sich los und weitere Gebiete folgten. Die Anführer Kaleers waren zu jener Zeit viel mehr mit ihrer eigenen Macht und ihrem Wohlstand beschäftigt, als dass sie sich für die Politik des Reiches interessiert hätten. Der Höhepunkt dieser Entwicklung stelle das Vierkaiserjahr dar. Es begann mit dem Tod Kaiser Alfons IV. Drauf kam die Machtergreifung und Absetzung innerhalb von nur acht Wochen, von Alfons Bruder Willhen. Auf ihn folgte Alfons Sohn Berthon IV., welcher noch im Monat seiner Krönung zur Abdankung gezwungen wurde. Am Ende der Entwicklung steht, die bis heute mysteriöse Ermordung von Bethon V. All das im Jahre 614 KK oder 30 Jahre vor der Gründung Nāscors. Was darauf geschah, habe ich schon in oben erwähnter Rede beschrieben. Kaleer zog sich, Stück für Stück, auf jene Gebiete zurück, die wir heute als Kaiserreich Kaleer kennen.

Ich gebe zu, die Geschichte ist länger geworden, als ich geplant hatte, aber kürzer hätte ich es kaum machen können.

Zur Geografie des Landes

Riada das kulturelle und politische Zentrum des Landes liegt am Fluss Fahr, welcher vom Eisengebirge bis ins Meer fliest. Der zweite große Storm des Landes, der dem Fahr entspringt, heisst Kalen an dessen Ende die Hafenstadt Hohburg liegt. Der grosse Wald der Riada und Hohburg trennt, wird auf Grund seiner majestätischen Bäume, Kaiserwald genannt. Der Wald an der Grenze zu Mathringen und dem Mathringgebirge ist der Poneca. Am westlichen Ende des Ponecas, direkt am Fuße des Eisengebirges, liegt die zweitgrößte Stadt des Kaiserreich: Solathan. Der einsame Berg im Osten des Reiches, auch auf der Karte von Sir Beckettt schön zu sehen, wird Weissenstein genannt und der Legende zu folge standen auf dessen Gipfel die alten Götter, als sie das Leben auf Estona schufen. Es gibt noch eine Menge weiterer Städte und Orte, die ich hier benennen könnte, aber ich denke als Übersicht reicht das Gesagte völlig aus.

Wirtschaft

Das Kaiserreich Kaleer besitzt reiche Rohstoffquellen, insbesondere Metalle, Edelsteine, Holz und Steinbrücke sind hier zu nennen. Diese werden auch abgebaut und über die Flüsse, das Meer und den Landweg im ganzen Reich und auch ins Ausland verfrachtet. Mangelware dafür ist Weizen. Kaleer hat eine grosse Bevölkerung und kämpft stets mit dem Problem, sie alle ernähren zu müssen. Handwerker jeder Art sind Kaleer geschätzt und beliebt. Ihre Fachkunst wird gefördert und weiterentwickelt. Gerade die Schmiedekunst und die Edelsteinschleifkunst aus Kaleer, ist auf ganz Estona bekannt und gefragt.

Politik

Kaiser Volort regiert Kaleer seit 15 Jahren und konnte dem Land, nach einer Phase der Unsicherheit, wieder eine gewisse Stabilität bringen. Die Zeit der absoluten Herrschaft der Kaiser gehört jedoch der Vergangenheit an. Längst ist der Kaiser gezwungen mit einem Hohen Rat aus verdienten Mitgliedern von Adel, Klerus und Militär zusammenzuarbeiten. Wer dabei wie viel Macht und Einfluss hat, entscheidet sich beinahe täglich neu. Die grundsätzliche Stellung des Kaisers hingegen, hat sich seit der Herrschaft Volorts wieder gefestigt. Die drei einflussreichsten Personen, neben dem Kaiser, sind seit einigen Jahren die Selben, nämlich: General Dorius von Hemthal, welcher mütterlicherseits mit dem Kaiser verwandt ist, Erzprior August zu Rehenfang und Gräfin Eleonore von und zu Maldan. Sie sind die prägenden Persönlichkeiten der Politik Kaleers.

Beziehung zum Königreich Nāscor

Noch unter meinem Großvater und meinem Vater war es zu mehreren bewaffneten Konflikten zwischen Kaleer und Nāscor gekommen. Das Resultat war, dass Nāscor Teil des südens von Tauffenburg an Kaleer velror und sogar Euphis wurde einige Zeit belagert. Euphis konnte standhalten und einige Jahre später vermochte das Königreich, unter meinem Vater König Rhogar, sich diese Landstriche zurückzuerkämpfen. Seither herrschte ein Patt zwischen uns und dem Kaiserreich Kaleer. Die Situation entspannte sich während meiner Herrschaft und gerade Kaiser Volort, beschäftigt mit Konflikten im Inneren, war nur wenig gelegen an Streit mit Nāscor. So kam es, dass in den letzten zehn Jahren mehrere Handelsabkommen geschlossen wurden. Zum einen liefert Kaleer Erz und Kohle an Nāscor, dafür beliefert Nāscor Kaleer mit Weizen und Obst. In einem weiteren Abkommen wurden Zölle und Warenpreise zwischen Nāscor und Kaleer festgelegt. Allgemein lässt sich sagen, dass die Beziehungen zum Kaiserreich Kaleer besser sind, als sie es noch zu Zeiten meiner Vorgänger waren. Trotz dieses sehr erfreulichen Umstands, muss immer bedacht werden, dass es Fraktionen in der Politik Kaleers gibt, die Nāscor, oder zumindest Teile davon, nur zu gerne wieder als Teil des Kaiserreichs sehen würden.

Hochkönigreich Narêvién

Zugefallen ist mir, und das soll mein ungewohntes Auftreten erklären, auf Wunsch des Königs, den abschließenden Vortrag über unsere nordwestlichen Nachbarn, das Reich Narêvién vorzutragen. Ich muss dazu sagen, dass ich in dieser Robe bereits als Prinz am Hofe der Hochkönigin Eithídhrosa weilen durfte, der uneingeschränkten Herrscherin über das Reich, beraten von einem Fürstenrat aus den zehn führenden Fürstenhäusern. Ich muss zu diesen Fürstenhäusern leider etwas weiter ausholen, daher möchte ich an dieser Stelle des Vortrags die Grunddaten über Narêvien vorziehen. Sie entsprechen einer Zusammenfassung und der Präzisierung des bisher in diesen Hallen über das Reich Verkündeten und was die Königlichen Archive und meine bescheidenen Erfahrungen so hergeben.

In Narêvien leben ca. 250.000 Einwohner, davon mehr als die Hälfte, etwa 150.000 Elben. In jüngster Zeit ergeben sich bei den übrigen Rassen leichte Verschiebungen. So hat man bewusst nun mehr Menschen und Zwerge ins Land gerufen, um mit ihren speziellen Fertigkeiten einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erreichen. Liegen die übrigen Rassen also zahlenmäßig derzeit ungefähr gleichauf, werden sich die Zahlen bei dem erwarteten Anhalten der Zuwanderung weiter erhöhen.

Größte und zugleich Hauptstadt des Reiches ist Ivrándal mit ca. 65.000 Einwohnern, Hochburg der Fürstenfamilie des ersten Hochkönigs Faeraeil des Tapferen, der auch die amtierende Hochkönigin angehört. Die weiteren nennenswerten Städte sind Delduwath, Heimat der gleichnamigen Fürstenfamilie und Lhûnin, Heimat der Fürsten Adunihél, mit je 30.000 Einwohnern. Die übrigen Einwohner verteilen sich auf kleinere Gemeinden, die dem Einflussbereich der sieben nicht genannten Fürstenfamilien unterstehen.

Topographische Landmarken sind die Westlichen, Mittleren und die Südlichen Kristallberge, der Fluss Lhûnin, an dem die gleichnamige Stadt liegt, der Wald von Araiel, an der Grenze zu Arcion und der Dunkelwald, in dessen Geborgenheit man Delduwath findet. In den Mittleren Kristallbergen entspringend ergießen sich die Flüsse Sabiel und Messiel in die Bucht von Arthanûul. An der Mündung liegt die gleichnamige Kleinstadt von 9500 Einwohnern.

Zum Verständnis des Elbenreiches, wie es auch genannt wird, muss ich einen klitzekleinen Ausflug in die Geschichte machen. In ständig auflodernden Kriegen gegen Kalleer (menschl. Kaleer) um die Vorherrschaft mussten sich die Elben immer weiter in den Nordwesten des Kontinents zurückziehen, wo sie unter Faeraeil dem Tapferen das Reich gründeten. Nicht alle elbischen Fürstenfamilien von Estonas sind dem Hochkönig gefolgt, sondern haben erfolgreich Enklaven bilden können oder sich mit den jeweiligen Herrschenden arrangiert. Da alle wichtigen elbischen Fürstenfamilien des Kontinents irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert sind, meine Mutter ist z.B. eine Cousine 4. oder 5. Grades der Hochkönigin, übt Narêvien einen nicht unerheblichen diplomatischen, aber auch politischen Einfluss auf andere Reiche aus, was natürlich auch umgekehrt gilt.

Damit will ich es heute bewenden lassen, denn in wenigen Monden wird mich mein erster ausländischer Besuch an den Königshof von Ivrándal führen. Ich würde mir wünschen, dass mich der Reichsgesandte auf dieser Reise begleitet und über den Staatsbesuch berichtet. Anlass für die Reise ist ein alle zwei Jahre stattfindendes Fest zu Ehren der Hochkönigin, in der ihr die Elbenfürsten des Reiches feierlich ihre Gefolgschaft geloben. Natürlich sind die Cousins, die außerhalb von Narêvién leben dazu eingeladen ohne einen Treueeid leisten zu müssen.

Horim

Horim bezeichnet das Reich, aber praktischerweise auch gleich die Hauptstadt und den Sitz des regierenden Wahlkönigs Paal Hammerfaust. Nach dem Namen des Königs und um Verwechslungen zu vermeiden, benutzen viele Zwerge umgangssprachlich für die Hauptstadt auch den Namen "Hammerfeste". In offiziellen Schreiben wird diese Nebenbezeichnung jedoch nicht benutzt.

Wie bereits erwähnt ist Horim eine Wahlmonarchie. Die einflussreichsten Zwergenclans entsenden je einen Vertreter, das kann das Clanoberhaupt sein, muss es aber nicht, in den Clanrat am Regierungssitz des Königs. Im Clanrat werden Entscheidungen, die das Reich betreffen, besprochen, bestehende Probleme dem König zu Gehör gebracht und auch diskutiert, und natürlich auch Clanstreitigkeiten mit dem Ziele der Schlichtung vorgetragen. Das Wort des Königs ist Gesetz. Doch gilt das ungeschriebene Gesetz, dass der König erst entscheidet, wenn jede Seite ihre Argumente vorbringen konnte. Nach dem Tod des Königs wählt der Clanrat dann umgehend einen neuen König, der aber im Gegensatz zu den Mitgliedern des Clanrats ein Clanoberhaupt sein muss.

Wenn nun der Eindruck entstanden ist, dass Horim von den Zwergen dominiert wird, so ist das völlig richtig. Elben sind in Horim gar nicht zu finden, Menschen nur vereinzelt. Ich habe in unseren Archiven nicht einen einzigen Menschen aus Horim namentlich erwähnt gefunden. Anders die Halblinge. Sie besiedeln hauptsächlich die Flussauen und fruchtbaren Ebenen, wo sie Ackerbau und Viehwirtschaft und die damit verbundenen Handwerke, wie Gerbereien, Webereien und die fachgerechte Produktion von Pfeiffenkraut, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Auch die vor Horim liegende Insel Penanza wird praktisch ausschließlich von wenigen Halblingen bewohnt, da -wie wir wissen- fast alle Zwerge eine geradezu angeborene Abscheu vor größeren Gewässern haben. Dieser Wasserscheu und der fehlenden Erfahrung in der Landwirtschaft ist es zu verdanken, dass die Halblinge dort geduldet sind und einen gewissen politischen Einfluss geltend machen können. In den vier Hauptverbreitungsgebieten der Halblinge werden alle fünf Jahre Ombudsmänner (oder -frauen!) meist durch einfache Akklamation gewählt, die dann zu festen Terminen 4 – 6 Mal im Jahr im Clanrat und vor dem König in Horim Gehör für ihre Anliegen finden.

Dies klingt ein wenig nach Wesen zweiter Klasse und ich war auch zunächst überrascht, dass die Halblinge das mit sich machen lassen. Doch reicht der Arm der Krone bei weiten nicht bis in die kleinen Ansiedlungen der Halblinge. So lange der Nachschub an Nahrung und Zwergenbier, das offenbar nicht von den Zwergen selbst, sondern von den Halblingen gebraut wird, nicht ausgeht, überläßt man es ihnen, ihren Dorfverband zu organisieren.

Dies geht so weit, dass man im Falle der Mobilmachung zur Aushebung eines Heeres ausschließlich auf Zwergenmänner (und -frauen!) zurückgreift. Für die Männer ist der Kampf ehrenvolle Pflicht, für die Frauen eine freiwillige Sache, wobei keine Frau bei körperlicher Eignung vom Kriegsdienst zurückgewiesen wird.

Was diesen Angaben jedoch widerspricht sind alte Kriegsberichte als es um den Widerstand Horims gegen das alte Kaiserreich ging. In mehreren Quellen habe ich von Armeen bzw. kleineren Trupps von Steinschleuderern und Kurzbogenschützen gelesen, die aus Halblingen zusammengesetzt waren. Dies erscheint plausibel, da Zwerge Fernwaffen in der Regel als ehrenrührig ablehnen. Nicht bekannt ist jedoch, wann von der Aushebung dieser Spezialtruppen wieder abgesehen worden ist. Vielleicht gibt es sie also heute noch.

Ich bin noch einige topographische und demographische Details schuldig.

Horim wird in drei große Regionen unterteilt:

Das Gebirgsland mit dem Schwarzgebirge im Osten an der Grenze zu den wilden Landen und die Roteisenberge, ziemlich genau nördlich vom Schwarzsee gelegen, in denen mittendrin auch die Hauptstadt Horim liegt. Zwischen den Gebirgszügen liegt eine Ebene, in der angeblich das beste Pfeifenkraut auf dem Kontinent wächst. Diese Gegend wird als Oberhorim zusammengefasst. Von die geschätzten 200.000 Einwohnern in ganz Horim, leben 45.000 in der Hauptstadt. Im Gebirgsland wird -wie sollte es anders sein- Bergbau betrieben und eine große Menge von Erzen gefördert und weiter verarbeitet.

Niederhorim umfasst einen breiten Streifen westlich der Berge, an den Ufern des Flusses Sarrakon bis hin zu den ausgedehnten Wäldern im Westen des Landes an der Grenze zu Narêvien. Es ist das Gebiet, in dem hauptsächlich Halblinge wohnen und den fruchtbaren Boden bestellen. Es gibt – wie bei den Halblingen üblich- zahlreiche kleine Dörfer und Weiler, oft nur mit zehn Hütten und ein paar Höfen. Wichtige Knotenpunkte sind Pusterfeld am Sarrakon, die Hafenstadt Meersheim, von der auch Boote nach Penanza übersetzen und Waldrod am Silberfluss im Westen des Reiches.

Das Hügelland im Norden und Nordwesten des Reiches wird von den Einheimischen auch die Schotterfelder genannt. Hier leben Zwerge und Halblinge direkt nebeneinander, wenn auch nicht miteinander. In dieser Region liegen die großen Steinbrüche. Man sagt, der feine Marmor der Eingangstreppe im Schloss drüben, kommt aus Horim und war ein Geschenk des damaligen Königs. Leider sind die Lieferpapiere im Archiv verloren gegangen, aber das ist für den historisch weniger Interessieren auch nicht von Belang. Ziegen- und Schafzucht wird dort ebenfalls betrieben. Und die Kräuter, die die Schafe nicht vorher wegfressen, nimmt man her, um einen bekömmlichen Kräuterschnaps herzustellen.

Geheimnisvoll in der Region ist ein einsam stehender Berg, die Kahle Rotkuppe. Angeblich wird dort Bergbau betrieben, aber niemand weiß etwas Genaues, da der Berg weitläufig abgeriegelt ist und der unbefugte Zugang bei hohen Strafen verboten. Gerüchte besagen, dass dort die Quelle des Reichtums von Horim zu finden sei. Doch niemand ist von dort zurückgekommen und konnte davon berichten. Zumindest gibt es keine Aufzeichnungen darüber in den alten Archiven.

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