Ein Saaldiener betritt das Plenum und kündet an "Erheben Sie sich für seine Majestät König Harmud von Nāscor"
Verehrte Kronräte
Ich muss schmunzeln, wenn ich sehe wie hier mit der gegenseitigen Angst der Stände voreinander gespielt wird. Der Adel fürchtet ein Aufbegehren des Volkes und das Bürgertum fürchtet die Repressionen des Adels. Liebe Kronräte, bewahrt die Contenance! Arcion und seine Bevölkerung haben wahrlich genügend eigene Sorgen, als dass sie die Musse hätten, nach Nascor zu dringen.
Seit Jahren gibt es Wanderprediger (hierbei handelt es sich nicht um religiöse Prediger, sondern politische), man entschuldige diesen Ausdruck, aus Arcion, die ihre Werte und Philosophie unters Volk bringen wollen. Deutlich zu sagen gilt hier, dass es sich dabei meist um Exponenten handelt, die in Arcion nicht mehr gern gesehen sind. Seit der Revolution dort, sind nun doch etliche Jahre vergangen und die Staatsführung bemüht sich ein gesittetes Miteinander zu fördern. Sowohl die Reste des Adels, als auch Klerus und Bürgertum haben sich längst von den Parolen der Revolution gelöst. Ein Staat, in dem sich die Bevölkerung stets gegenseitig bekämpft, kann auf die Dauer nicht existieren. Diese schlichte Tatsache ist auch den Bürgern Arcions schon vor einigen Jahren bewusst geworden. Natürlich herrscht deshalb noch nicht Einklang zwischen den verschiedenen Volksgruppen, aber man bemüht sich zusammenzuarbeiten.
Jene Elemente die Lord Corleone aufgebracht als „Volksfront Arcions“ bezeichnet hat, sind eine Minderheit. Es sind Personen, denen die Revolution in Arcion nicht weitgenug gegangen ist und die gerne noch mehr Blut fliessen sehen würden. Dabei geht es ihnen nicht nur um den Adel, sondern auch um das Grossbürgertum, die Kaufleute und Elben im Allgemeinen. Gerüchte besagen auch, dass Teile diese Wanderprediger von einflussreichen Exilanten finanziert werden, um den Staat zu destabilisieren und deren Rückkehr zu ermöglichen. Genau aus diesem Grund, verfolgt Arcion diese „Meute an Aufwieglern und Staatsfeinden“, wie sie offiziell gerne genannt werden, mit harten Methoden. Da sich in der Bevölkerung kaum Sympathisanten finden lassen, da die meisten Bewohner Arcions von Kriegen, Aufständen und Revolutionen die Nase voll haben, fürchten sie stets denunziert zu werden und dann droht ihnen der Galgen. Und damit kommen wir auch zu des Pudels Kern: Diese Elemente bemerken, dass die Luft in Arcion dünn wird und das ihre Hasstiraden und pseudo Politik die Massen nicht zu bewegen vermögen. Viele von ihnen setzen sich deshalb ins Ausland ab. Einige tauchen unter, andere sind gar dreist und dumm genug, ihre Pamphlete auch in anderen Ländern zu verteilen.
In Mathringen und Lorgen ist man sich dieser Problematik bewusst und es ist auch nicht so, dass es sich hier um ein neues Phänomen handelt. Bereits seit ein paar Jahren, seit sich die Staatsführung in Arindale gefestigt hat und ihren Einfluss auf alle Gebiete des Landes ausgeweitet hat, kommt es zu solchen Wanderungen. Sowohl die örtlichen Grenzpatrouillen, als auch die betroffenen Magistraten sind darüber informiert. Natürlich ist es ein Problem, denn diese „Flüchtlinge“ lassen sich oftmals in Nascor nieder. Viele von ihnen suchen nur ein ruhiges Leben und wollen unbehelligt vom Staat ihr Dasein fristen. Jene, die Pamphlete und Hasstiraden verbreiten, sind ein Problem. Alleine letzten Monat sind, nach angaben der zuständigen Magistrate, sechzehn solcher Personen aufgegriffen und abgeurteilt worden.
Es handelt sich dabei aber um Einzelpersonen und keineswegs um eine ganze Bewegung. Dass vieles in diesem Zusammenhang auf Gerüchten und Panikmache beruht, sieht man an den verbreiteten Parolen. Den meisten dieser Wanderprediger geht es um die Verbreitung von Angst und Schrecken, um diesen nützen zu können. Sei es um Geld oder Macht zu gewinnen.
Natürlich schlage ich ein Gerücht, da es zu einer grösseren Bewegung kommen soll nicht ab, aber mir wäre bisher aus keiner der Marken ein entsprechender Bericht zugekommen. Ich habe aber vorsorglich alle Grenzgarnisonen und alle Magistrate in den betroffenen Gebieten informiert und diese angehalten, wachsam zu bleiben und mir sofort Bericht zu erstatten. Eine überstürzte Reaktion und Repressalien gegen die arcionischen Exilanten oder jeden Bürger, der im Verdacht steht ein Revolutionär zu sein, halte ich aber für den völlig falschen Weg.
Auch dies ist ein Thema, mit dem man sich in Zukunft noch mehr zu beschäftigen hat. Ich denke hier insbesondere an den zukünftigen Reichskanzler, den Kronrichter und den Reichsmarschall.
Bisweilen bitte ich aber alle ruhig zu bleiben und auch Lord Corleone und seinen Bruder sind angehalten ihre Schwerter stecken zu lassen. Ein Blutbad unter der Bevölkerung oder unter Flüchtlingen, aufgrund von Panikmache, wäre das letzte, was Nascor brauchen kann.
In diesem Sinne, danke ich Euch für die Aufmerksamkeit.
Lang lebe Nāscor!
Harmud verlässt das Podium und setzt sich in seine Loge
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