Während im ganzen Saal Unruhe über die letzten Ereignisse im Ratssaal herrscht, macht sich Lord Corleone erhobenen Hauptes auf, um sich am Rednerpult zu positionieren. Abermals legt er mit stolzgeschwellter Brust seine rechte Hand auf den goldenen Löwen, der seinen Waffenrock ziert.
Werter Rat,
ich bitte alle Anwesenden um Ruhe! Wir alle haben die Ereignisse im Ratssaal in den letzten Stunden miterlebt und ich habe durchaus Verständnis dafür, dass es derzeit viel Redebedarf gibt!
Die werte Fürstin Hagnov hat in ihrer vierten Rede ihre Bedenken vorgebracht und damit sehr für Aufsehen gesorgt! Auch wenn die werte Fürstin sich hin und wieder im Ton und in der Wortwahl vergriffen haben sollte, sollten wir ihrer Rede alle inhaltlich Respekt zollen. Denn worauf sie hingewiesen hat, ist nicht nur ihr gutes Recht, sondern auch ihre Pflicht als getreue Untertanin ihrer Majestät, König Harmud, und wir alle sollten uns daran ein Beispiel nehmen!
Ich persönlich bin gewillt, dem König zu überlassen, ob er seinen Bruder, auch wenn es nur ein Halbbruder sein mag, in die königliche Verantwortung mit einzubeziehen gedenkt. Ich persönlich bin auch gewillt, hinsichtlich dieser Angelegenheit keine 2/3 Mehrheit des Rates einholen zu müssen, wie es das Gesetz aber eigentlich hinsichtlich der Bullenänderung verlangt! Ich persönlich bin sogar generell gewillt, die ganze Angelegenheit als des Königs Recht abzutun, ohne auch nur eine einzige weitere Meinung einzuholen!
Und warum bin ich gewillt all dies zu tun, werte Anwesende?
macht eine kleine Pause
Weil es dem König in die Wiege gelegt wurde, über gewisse Angelegenheiten völlig allein entscheiden zu können. Er ist sogar eigentlich dazu verpflichtet es zu tun, zum Wohle des Reiches! Wozu einen Mehrheitsbeschluss einholen, wenn man die Mehrheit gar nicht kennt und sie überhaupt nicht einzuschätzen vermag!
Wenn sich zehn Männer in einem Raum befinden, wovon sechs sagen: "Ja, stoß dem König einen Dolch in den Rücken", sich zwei enthalten und lediglich zwei sagen "Nein, tu das nicht, der König hat es nur zum Wohle des Reiches getan!", wem würden Sie dann folgen, werte Anwesende? Ist es denn immer gut, sich einer Mehrheit anzuschließen, frage ich Sie? Hat denn die Mehrheit unumstößlich Recht? Oder können es gar nur ein paar Wenige sein, die sich im Recht befinden!?
Ich persönlich bin gewillt, den tüchtigen, ertragsreichen Bürger in politische Entscheidungen mit einzubeziehen. Ich persönlich bin auch gewillt, die Standesschranken zwischen dem Adel und dem gehobenem Bürgertum langsam und allmählich ein wenig aufzuweichen. Ich persönlich bin sogar generell gewillt, Wesen, die sich durch außergewöhnliche Taten ausgezeichnet haben, an den Entscheidungen über die Geschicke des Reiches teilhaben zu lassen.
Aber muss ich denn wirklich gewillt sein, jedem x-beliebigen Wesen Tor und Tür zum Herzen unseres Reiches zu öffnen? Sollen wir künftig wirklich Jedem erlauben, die Zukunft mitbestimmen zu können? Soll ich Unrecht zu Recht werden lassen, nur weil eine Mehrheit aus Schafen nun auf einmal dem Hirten den Weg vorschreiben dürfen soll? Soll ich tatenlos zusehen, wie die nichtsnutzigen arbeitsfaulen Tölpel den Ratssaal stürmen, um die Ordnung niederzuringen und vormaliges Recht zu Unrecht werden zu lassen?
Nein, werte Anwesende, nein!
Die Götter haben uns gewisse Gaben mit auf den Weg gegeben und um sie den Wesen kenntlich zu machen, gaben sie uns die Stände! Ist es also nicht der Götter Wille, dass der Adel und der Klerus nicht auf einer Ebene mit dem Bürgertum anzusehen sind? Haben die Götter uns nicht vielmehr den Adel und den Klerus erkenntlich gemacht, damit der einfache Bürger weiß, an wen er sich zu wenden hat, wenn es ihm an Orientierung mangelt!? Ist es nicht unserem König allein angediehen, über gewisse Sachverhalte Entscheidungen treffen zu können? Ist der Adel nicht Vater und zugleich auch Mutter des Königs? Ist der König denn nicht aus dem Adel hervorgegangen?
Werte Anwesende, ich bitte Sie, überlegen Sie die Konsequenzen ihrer Worte und Taten! Wieso sollte es dem Adel daran gelegen sein, das Reich runter zu wirtschaften? Warum sollten wir nicht im besten Sinne des Reiches zu handeln vermögen? Wie kommt man dazu, sich anzumaßen, besser als der Adel Entscheidungen über das Reich treffen zu können, ganz ohne Erfahrung, ganz ohne die Legitimation durch die Götter!???
Wie ich bereits sagte, ich persönlich bin gewillt, den König Entscheidungen treffen zu lassen, ohne unsere Meinung dazu einholen zu müssen! Den König wohlbemerkt, nicht den Prinzen!
Wenn ich höre, wie der werten und treuen Fürstin Hagnov ein Prozess wegen Majestätsbeleidigung gemacht werden soll, sie den Rat zu verlassen habe oder zwangsläufig entfernt werden solle, obwohl sie sich lediglich auf ihr gutes Recht berufen hat, denn vielleicht war Sie einfach nicht gewillt, all dies hinzunehmen. Auch wenn Sie sich vielleicht hin und wieder einmal im Ton vergriffen haben sollte, dann muss ich die Entscheidung des Prinzen mehr als nur in Frage stellen!
Majestät, ich bitte Sie eindringlich darum, in Weisheit und mit gewisser Nachsicht zu handeln, denn ich versichere Ihnen, die Fürstin hat nur mit bestem Wissen und Gewissen gehandelt und ist der Krone treu ergeben.
Mein König, mein Prinz, werte Damen und Herren: Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs Untertanen!
Damit möchte ich mich verabschieden. Gehabt Euch wohl!
Nach dem Verlassen des Rednerpults kehrt der Lord von Corleone, unter den immer noch durch Unruhe geplagten Blicken einiger Rätinnen und Räte, zielstrebig zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
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