In gewohnter Weise schreitet der Lord von Corleone mit stolzgeschwellter Brust hinter das Rednerpult. Heute allerdings nicht in seiner Paraderüstung, sondern in einen weißen Wollstoff mit einem breiten Purpurstreifen gehüllt, der den Kennern der alten Traditionen des Kaiserreichs als "Toga" bekannt ist. Unter der "Toga" trägt der Lord eine "Tunika", wie es auch in späteren Zeiten des Kaiserreiches Sitte geworden war.
Königliche Hoheit, werter Prinz, werte Ratsmitglieder, Reichsmarschall Seneca,
da der Reichsmarschall allem Anschein nach nicht vorhat, ein eigenes Konzept zur Umstrukturierung des königlichen Heeres zu erstellen, möchte ich nun noch einmal meine Bedenken zur derzeitigen Situation äußern und dem Reichsmarschall einen Umstrukturierungsvorschlag unterbreiten. würdigt den Reichsmarschall keines Blickes Wie sage ich doch immer so schön: Hopp hopp an die Arbeit! schmunzelt
Dem königlichen Heer stehen derzeit 2796 Mann verteilt auf drei Legionen zur Verfügung. Die Legionen sind allerdings alle in kleine Truppenverbände a 100 Mann, Centras wie sie der Reichsmarschall nennt, unterteilt und an den Grenzen des Reiches auch verteilt. Jede Centra, also diese 100 Mann, wird aus 50 Bogenschützen, 40 Infanteristen und 10 Kavalleristen zusammengesetzt, wobei die Infanteristen auch das schwere Gerät, also Katapulte, Ballisten und Triboke, bedienen.
In meinen Augen macht es unter diesen Umständen wenig Sinn von Legionen in diesem Zusammenhang zu sprechen. Gut, um eine bürokratische Ordnung und Zuteilung auf dem Papier führen zu können, mag dies hilfreich sein, aber für eine Schlacht wären die derzeitigen Legionen keineswegs geeignet.
Dafür sind die Legionen schlicht und ergreifend falsch zusammengesetzt. Aber wie der Reichsmarschall schon mitteilte, gehen die Männer derzeit hauptsächlich Defensivaufgaben nach, weshalb ein erhöhtes Maß an Bogenschützen auf den ersten Blick als gerechtfertigt erscheint. Für die Grenzposten mag dies auch zutreffen, für eine Legion allerdings nicht. Eine Legion sollte dazu ausgebildet werden, offene Feldschlachten führen zu können und nicht sich auf Wällen oder in Gräben zu verstecken und aus der Ferne einen Pfeilhagel niederprasseln zu lassen.
Keine Frage, die Grenzposten müssen durch Bogenschützen verstärkt werden, denn wir haben Orks und Trolle als auch andere Reiche mit Heeren zu Nachbarn. Aber genau aus diesem Grund brauchen wir auch zumindest eine richtige Legion in Friedenszeiten. Sollte überraschend ein Heer in unser Reich einfallen, müssen wir doch zumindest umgehend zur Gegenwehr in der Lage sein.
Nehmen wir einmal an, ein Heer aus dem Kaiserreich würde im Eiltempo über Tauffenburg nach Arosta bis nach Kronstadt marschieren, was hätten wir dem entgegenzusetzen!? Sollen wir erst nachdem uns die Nachricht von dem feindlichen Heer erreicht hat anfangen den Adel des Reiches zusammenzutrommeln und auf blindes Verständnis der Soldaten im Kampf hoffen, oder wie haben wir uns das vorzustellen!? Sollen wir vielleicht die ganzen Bogenschützen und wenigen Infanteristen der Grenzposten in aller Eile zusammenziehen, auch hier auf blindes Verständnis untereinander hoffen, und diese dem feindlichen Heer entgegenwerfen!?
Meine Damen und Herren, ich fordere doch keine massive Aufrüstung! Ich möchte lediglich sicherstellen, dass unserem Reich mindestens eine "Elitelegion" für den Ernstfall zur Verfügung steht! Löst die bisherigen drei Legionen auf und teilt sie der Grenzsicherung zu, wenn die Männer an der Grenze wirklich alle gebraucht werden sollten! Für die Besetzung der Grenzposten macht es ja auch Sinn, die Männer vordergründig mit Pfeilen und Bögen auszurüsten!
Aber zeitglich sollten wir dann eine neue Legion aus dem Boden stampfen! Die Legion des Königs!
Erhöht die Legionsgröße von 800 Mann auf 1000 Mann, wovon dann 700 Mann auf die Infanterie und 300 Mann auf die Kavallerie entfallen. Unterteilt die Legion in drei Schlachtreihen, wobei die ersten beiden Reihen zuerst in den Kampf geschickt werden sollen, und die dritte Reihe, die aus äußerst kampferprobten und älteren Männern bestehen sollte, die Reserve bilden soll.
Der Infanterist sollte mit Langschild, Schwert, zwei Wurfspeeren und einer brauchbaren Rüstung bestehend aus Helm, Brustpanzer und Beinschienen ausgerüstet werden. Zusätzlich kann man die Legion weiterhin in die 10 bekannten "Centras" unterteilen, wobei 3 Centras der ersten Schlachtreihe zugeteilt werden sollten, weitere 3 der zweiten Schlachtreihe und die übrigen 4 der Reserve, um eine genauere Koordination während einer Schlacht durchführen zu können.
Jeder "Centra" sollte ein Adliger im Range eines Zenturio vorstehen. Auch kann durch die Einteilung in diese kleineren Truppenverbände wie die "Centras" die Beweglichkeit und Schnelligkeit in den Operationen auf dem Schlachtfeld enorm gesteigert werden, wobei die Stärke der Legion auch hier natürlich die Koordination und Absprache untereinander darstellt, diese einzelnen "Centras" müssen lernen, wie ein Körper zu agieren! Daher darf man die einzelnen Truppenverbände unter keinen Umständen auseinanderreißen!
Nun fragen sie sich bestimmt berechtigter Weise, warum denn nun in einer Legion gar keine Bogenschützen mehr vorkommen sollen! Wenn Sie sich erinnern, soll eine Legion aus 700 Mann ausgerüstet mit Langschild, Schwert und Wurfspeeren und 300 Mann der Kavallerie bestehen, richtig!
Die Bogenschützen spielen nämlich für die Kampftaktik einer Legion nur eine sehr untergeordnete Rolle. Bogenschützen können einen herannahenden Feind mit einem Meer aus Pfeilen bedecken, aber sobald Feind und Freund aufeinanderprallen, haben die Bogenschützen ihren Wert verloren, es sei denn, Sie gedenken auch die eigenen Männer mit Pfeilen in den Rücken zu beglücken!?
Daher sollten der Legion zusätzlich noch Hilfstruppen zur Verfügung gestellt werden, wobei diese Hilfstruppen aus Bogenschützen bestehen sollten und auch für das schwere Gerät zuständig sein sollten! Da der Bogenschütze aber lediglich das Bogenschießen beherrschen und Befehlen des Befehlshabers gehorchen können muss, um den Pfeilhagel ab einer bestimmten Situation auch zu stoppen, bedarf es hier keiner direkten Eingliederung in die Legion und keiner Einbindung in deren Kampfestaktik. Sollten also keine finanziellen Mittel hierfür zur Verfügung stehen, unterliegen die Hilfstruppen nur einer untergeordneten Priorität, da man diese Männer schneller auszubilden vermag!
Wie soll aber nun diese neue Legion des Königs, die 1000 Mann stark werden soll, finanziert werden!? Nun, wenn wirklich alle Männer der bisherigen Legionen an den Grenzposten gebraucht werden sollten, dann muss man wohl auf den Überschuss, den der Reichskanzler uns ja vorgelegt hat, zurückgreifen!
Ein Puffer für schwere Zeiten, nicht wahr!? In meinen Augen befinden wir uns derzeit in schweren Zeiten und sollten die finanziellen Mittel für diese Art der Umstrukturierung auch durchaus in die Hand nehmen! Da es sich hierbei auch um eine ausgeschriebene "Elitelegion" handeln soll, sollte man vermehrt im Adel dafür werben. Viele dritte, vierte und fünfte Söhne einer adligen Familie könnten hier eine Chance bekommen, sich für das Reich und für den König verdient zu machen! Es sollte eine Ehre sein, der Legion des Königs zugehören zu dürfen! Nichtsdestotrotz müssen diese Männer natürlich bezahlt werden, keine Frage!
Um die finanzielle Lage der Staatskasse nicht zu sehr zu belasten, könnte man noch darüber nachdenken, welchen Nutzen die Legion noch nebenbei erfüllen könnte. Sie sollte einheitlich irgendwo stationiert werden, um auch in ausreichendem Maße Trainingseinheiten abhalten zu können.
Aber nehmen wir mal an, man würde die Legion in der Nähe zu Radhorn stationieren, strategisch nicht gerade ungünstig, da die Legion sich damit in Reichweite zu Kronstadt als auch zum Kaiserreich und der Republik Arcion befinden würde. Dann könnte die Legion "nebenbei" zur Sicherung der Handelsrouten eingesetzt werden und dort die eine oder andere Münze in die Staatskasse zurückspülen.
Oder man stationiert die Legion in der Nähe zu Jakobsburg oder Kohlburg und stößt mit der Legion in die "wilden Lande" vor, um dort a) Informationen zu sammeln und b) Beute zu machen. Natürlich wäre das ein Unterfangen mit einem ordentlichen Maß an Risiko, aber wir kommen ja nicht umhin, Informationen über diese Gegend sammeln zu müssen, dann könnten wir auch versuchen gleichzeitig noch etwas für das Reich dabei herauszuschlagen, was sich in finanzieller Natur zu äußern vermag!
Ich sehe schon, ich habe mal wieder viel zu viel von ihrer kostbaren Zeit in Anspruch genommen, daher möchte ich an dieser Stelle enden und verbleibe in der Hoffnung, dass sich der Reichsmarschall und sein Stab mit meinem Vorschlag adäquat auseinandersetzen werden und ihre Reaktion nicht aufgrund von persönlichen Differenzen geprägt sein wird.
Gehabt Euch wohl!
Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs Untertanen!
Hochmütigen Schrittes und mit einem erneuten herablassenden Blick auf den Reichsmarschall gerichtet verlässt der Lord wieder das Rednerpult und kehrt in seiner Toga zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
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