In gewohnter Weise schreitet der Lord von Corleone mit stolzgeschwellter Brust, aber mit einigen Sorgenfalten auf der Stirn hinter das Rednerpult. Heute trägt er wieder seine glänzende Paraderüstung, die von einem Umhang bedeckt wird, anstatt seiner Toga. Den Großhelm mit dem Löwenmännchen trägt er wieder unter seinem Arm.
Königliche Hoheit, werter Prinz, werte Ratsmitglieder,
leider sieht es danach aus, als wenn ich den Rat nicht davon zu überzeugen vermochte, dass das Reich auf eine "echte Legion" angewiesen ist! Ich kann nur noch einmal davor warnen, die königlichen Soldaten lediglich auf die Grenzposten zu verteilen und die Struktur eines echten Heeres dabei völlig in Vergessenheit geraten zu lassen. Aber gut, zu der Legion des Königs habe ich in meinen Augen bereits genug gesagt, also wende ich mich im Folgenden allgemeinen Hinweisen zur militärischen Stärke eines Reiches zu.
Die militärische Stärke der Gemeinwesen unserer Zeit beruht auf verschiedenen Faktoren. Wodurch kann also ein Krieg, die Götter mögen behüten das es dazu kommen möge, entschieden werden? Natürlich muss man vor allem die Zahl der Soldaten, ihre Tapferkeit, ihre Erfahrungen, ihre Organisation und die Fähigkeit ihres Feldherren in Betracht ziehen, denn diese Aspekte sind entscheidend.
Vernachlässigen sollten wir dabei nicht, dass es nicht darauf ankommt über die Zeiten hinweg mal einen einzigen überragenden Feldherren hervorzubringen, sondern eigentlich sollte jede Generation mehrere bedeutende Heerführer hervorbringen! Hier könnte und sollte man Anschluss an die Überlegungen zur königlichen Reichskriegsakademie von Herrn Kuyanhrim suchen, wobei es bei einer derartigen Akademie, meiner Meinung nach, wirklich darum gehen sollte, Feldherren auszubilden.
Weiterhin sollte diese Akademie versuchen, die Kriegsführung in eine Art "Kunst" zu überführen. Es sollten allgemeine Regeln und Vorschriften zur Kriegsführung formuliert werden, damit ein königliches Heer sich nicht nur auf die Befehle eines Feldherren verlassen muss, denn auch ein Feldheer kann mal früher als gedacht den Weg zu den Göttern antreten.
Die während eines Feldzuges notwendigen Entscheidungen, etwa über einen geeigneten Platz für das Lager, die Organisation der Heeresversorgung, Maßnahmen gegen einen Hinterhalt, den Zeitpunkt der Schlacht oder die Aufstellung der Truppen und der Reserveeinheiten, nur um einige Punkte zu nennen, würden damit nicht allein in Abhängigkeit eines einzigen Mannes, des Feldherren, geraten. An einer möglich zukünftigen Schlacht sollten immer mindestens ein ausgebildeter Feldherr und mehrere ausgebildete Feldherrenanwärter teilnehmen, damit die Organisation und Aufgabenverteilung des Heeres nicht fahrlässig gefährdet wird.
Nun, es mag wohl wenig bringen, noch mal auf die Bedeutung der Heeresstärke, der Bewaffnung und Ausrüstung hinzuweisen, denn allem Anschein nach ist die amtierende Regierung nicht gewillt dafür Gelder in die Hand zu nehmen! Man könnte meinen, dass sich andere Reiche wegen solchen Notwendigkeiten verschulden würden, wir hingegen, die die Münzen durchaus aufbringen könnten, investieren lieber anderweitig! winkt ab
Nun gut! Der Bau eines jeden Feldlagers sollte unbedingt nach festen Regeln und nach einem festen Plan erfolgen, da Nachlässigkeiten beim Lagerbau schwerwiegende Folgen haben könnten! Wie sich wohl jeder vorstellen kann, wird ein nicht gut befestigtes Lager mit dem Bonus der Überraschung schnell überrannt und unsere Soldaten könnten im Handumdrehen vernichtend geschlagen werden!
Auch wenn das Heer einen Marsch antritt, sollte immer eine feste Marschordnung eingehalten werden, um möglichen Überraschungsangriffen oder Hinterhalten bestmöglich vorzubeugen. Von der Aufstellung zur Schlacht ganz zu schweigen, hier ist eine genau festgelegte Ordnung in jedem Fall unerlässlich! Jeder Einheit einer echten Legion sollte im Lager, auf dem Marsch und in der Schlacht immer derselbe Platz zugewiesen werden, damit jede Einheit der Legion ihre Position in- und auswendig kennt und dementsprechend viele Operationen routinemäßig auszuführen vermag.
Auch der Wachdienst in einem Lager muss genau geregelt sein und Kontrollmechanismen sowie schriftliche Anweisungen müssen verhindern, dass Soldaten ihren Dienst nachlässig auszuüben gedenken. Ferner sollte ein System von Belohnungen und Strafen ein wesentliches Element des Militärdienstes ausmachen.
Für Tapferkeit in der Schlacht sollten Ehrenzeichen verliehen werden. Die Strafen für Ungehorsam, Feigheit im Kampf oder Nachlässigkeit beim Wachdienst müssen hart ausgelegt werden! Einfache Soldaten sollten zu einer Prügelstrafe mit Todesfolge verurteilt werden, die adligen und klerikalen Militärs hingegen zwar weniger hart, aber dennoch hart genug, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen.
Ganze Verbände oder gar ganze Legionen, die im Kampf vor dem Feind zurückweichen mögen, müssen ebenfalls bestraft werden. In einem solchen Fall sollte jeder zehnte Mann, ausgesucht durch den Feldherren, von den eigenen Kameraden zu Tode geprügelt werden!
Meine Damen und Herren, ich bin kein Unmensch oder Unwesen, aber nur mit großzügigen Auszeichnungen und zugleich aber auch harten Strafen vermag man die militärische Disziplin zu sichern, insbesondere den blinden Gehorsam gegenüber den Befehlen der Vorgesetzten!
Nun, ich denke, ich habe für heute ihre Zeit mal wieder zu Genüge in Anspruch genommen, vielleicht bedenkt der ein oder andere meine Worte noch mal und man entscheidet sich doch noch für die Zusammenstellung einer echten Legion! In dieser Hoffnung verbleibe ich jedenfalls!
Gehabt Euch wohl!
Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs Untertanen!
Arroganten und militärischen Schrittes verlässt der Lord wieder das Rednerpult und kehrt in seiner Paraderüstung zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
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