Eingehüllt in den weißen Wollstoff mit dem breiten Purpurstreifen schreitet der Lord von Corleone hinter das Rednerpult. Bevor er zu sprechen beginnt, fixiert der Lord mit den Augen seinen König.
Königliche Hoheit, werter Prinz, werte Ratsmitglieder,
wir befinden uns in schweren Zeiten. Das einst blühende Königreich Nāscor musste einen überaus harten Winter ertragen, wir alle können nur hoffen, dass der Frühling und der Sommer uns fruchtbare Felder bescheren. Darüber hinaus aber wurde das Reich von vielen Räten im Stich gelassen, wenn man sich hier umsieht, erblickt man fast zur Gänze leergefegte Reihen.
Aber die noch wenigen anwesenden Räte dürfen deswegen ihre Pflicht nicht vergessen! Sie dürfen nicht vergessen, wem Sie zur Treue verpflichtet sind und wen Sie aufs Äußerste zu verurteilen haben, nicht wahr, mein König!?
Dieser Herr Cromwell stellt nicht mehr dar, als eine Lachnummer, er ist ein Narr und Taugenichts und hat noch nicht eine würdige Ansprache in diesen Hallen gehalten. Besorgt mich das? Keineswegs! Sollte mich die Proklamation der Republik Nāscor beunruhigen? Mit Nichten, sie verlangt mir lediglich ein müdes Schmunzeln ab! Sollte ich die Tagungen der sogenannten "Volksversammlung" fürchten? Tzzz, ich glaube noch nicht einmal an deren Existenz, es sei denn, man bezeichnet Herrn Cromwells Selbstgespräche führen als "Volksversammlung"!
Aber es gibt doch etwas, was mich in diesem Zusammenhang beunruhigt, mein König! Dieser Narr, dieser Cromwell, wurde inzwischen wegen Hochverrats von unserem ehrenwerten Kronrichter zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde durch den Prinzen bestätigt, einzig und allein warten wir noch auf einen etwaigen Gnadengesuch! Sollte dieser bis zum Ende des Monats nicht eingegangen sein, so sind wir diesen Narren endlich wieder los und es wird mir eine wahre Freude sein, den Narrenkopf rollen zu sehen.
Doch nicht der Narr beunruhigt mich, sondern vielmehr des Narren Mundschenk. Derjenige beunruhigt mich, der demjenigen seine Unterstützung schenkt, der widerrechtlich handelt und gar öffentlich einen Umsturz fordert. Derjenige beunruhigt mich, der sich in unseren Reihen befindet, vielleicht gar ein Amt im Namen des Königs inne hat und dennoch dem reichsfeindlichen Narren Unterstützung schenkt. Nicht öffentlich wohlgemerkt, nein, dazu ist derjenige viel zu feige, denn er ist ein Wurm, ein Wurm den noch nicht einmal ein Vogel fressen möchte, da der Wurm nach Fäulnis und Verwesung riecht. Ein Wurm, der im Dunkeln und hinter vorgehaltenen Händen agiert, um seine abscheuliche Fratze nicht zu zeigen. Ein Wurm, der zerquetscht gehört, mein König!
Oder ist die Unterstützung eines ganz offensichtlichen Hochverräters nicht auch Hochverrat, mein König!? Könnten wir denn ... sagen wir mal ... einen Reichsoberen dulden, der einen offensichtlichen Hochverräter unterstützt, mein König!? Auch wenn es dem Reich derzeit an Räten mangelt, so sollten wir dennoch lieber einen weiteren Kopf rollen lassen, als uns von einem Wurm für dumm verkaufen zu lassen!
Bedenkt meine Worte, mein König, lasst eure Informanten und Spione nach Hinweisen suchen, wer den Hochverräter Cromwell unterstützte, in Zeiten, in denen Herr Cromwell öffentlich und vollkommen offensichtlich zum Aufruhr aufrief! Wir können keine Hochverräter in unseren Reihen dulden, erst recht nicht in den Reihen der Reichsoberen.
Zerquetscht den Wurm, mein König!
Ihr anderen: Gehabt Euch wohl!
Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs treue Untertanen!
Grimmigen Blickes verlässt der Lord das Rednerpult und kehrt in seiner Toga zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
Kommentare