Eingehüllt in den weißen Wollstoff mit dem breiten Purpurstreifen schreitet der Lord von Corleone hinter das Rednerpult. Bevor er zu sprechen beginnt, starrt er minutenlang ins Leere
Königliche Hoheit, werter Prinz, werte Ratsmitglieder,
eine große Menge an Beispielen, werte Anwesende, könnte ich heranziehen, in denen Könige und Völker getrieben durch Nachlässigkeit oder Antriebslosigkeit sich schlecht beraten und ihr Reich dem Untergang geweiht haben. Doch ich nenne lieber die, die innerhalb unserer eigenen Reichsgrenzen durch die Gier nach privater Belustigung und Zerstreuung nicht richtig und vernünftig gehandelt haben.
Im einberufenen Rat der Krone, den König Harmud I. von Nāscor in seiner Gutmütigkeit seinem Volke gegenüber einberief, verhielt sich die Mehrheit der privilegierten Untertanen schmachvoll und ungebührlich! Räte, die erst durch die Hilfe des Königs und durch die Institution des Rates zu Macht gekommen waren, lassen nun ihren König und ihr Reich im Stich. Sie übernehmen keinerlei Verantwortung mehr, ganz im Gegenteil, sie verhalten sich treulos und feindselig gegenüber ihrem König und unserem Reich.
Aber auch der König scheint sich seiner Verantwortung in einer solchen Situation nicht bewusst zu sein! Weder richtet er über die treulosen Ratsmitglieder, insbesondere über verantwortungslose Reichsobere, noch ermahnt er sie zu Genüge, nein, es scheint er lässt sie ungestraft und unermahnt schalten und walten - damit keiner sagen könne, die Treulosigkeit sei mehr der scharfen Worte des Königs als des Fehlverhaltens der beteiligten Räte wegen entsprungen.
Gleichfalls ist von uns allen dafür zu sorgen, werte Anwesende, dass diese Treulosigkeit und Untätigkeit nicht mehr zählt, als unser aller Streben nach Glanz und Glorie und dass wir uns ebenso wenig mehr um unseren Zorn gegenüber anderen Ratsmitgliedern als um unsere eigene Tätigkeit zum Wohle des Königs und des Reiches sorgen. Denn wenn sich eine angemessene Strafe für die Taten jener Treulosen finden lassen soll, dann müssen wir Übrigen umso mehr in die Breche springen und die Kohlen aus dem Feuer holen!
Alle schlechten Verhaltensweisen der Rätinnen und Räte sind einmal aus guten entstanden. Einst waren sie hier um Verantwortung zu übernehmen, um das Reich in eine glanzvolle Zukunft zu führen, doch nun erblickt man nur verlassene Reihen und eine gähnende Leere. Wenn aber die Herrschaft von diesem verantwortungslosen Rat zu den bis jetzt noch Unkundigen oder gar Reichsfeinden gelangt, wird das Schicksal unseres Reiches besiegelt sein!
So erhört meinen letzten Aufruf zur Rettung des Reiches, bevor auch ich gedenken muss, das sinkende Schiff zu verlassen. Reichsobere, erinnert Euch an eure Pflichten, sowie der einfache Rat sich seiner politischen Mitverantwortlichkeit bezüglich der Zukunft dieses Reiches erinnern sollte! Lasst uns diesen schändlichen Abschnitt der Vergangenheit wieder vergessen machen und mit Wort und Tat zum Wohle Nāscors agieren, denn mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.
Gehabt Euch wohl!
Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs Untertanen!
Mit einem Ausdruck von Kummer in den Augen verlässt der Lord das Rednerpult und kehrt in seiner Toga zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
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