Wie es nicht anders zu erwarten war, schreitet der Lord von Corleone wie üblich mit stolzgeschwellter Brust hinter das Rednerpult. Auch heute ist der Lord wieder in den weißen Wollstoff mit einem breiten Purpurstreifen gehüllt
Königliche Hoheit, werter Prinz, werte Ratsmitglieder,
die Vorbereitungen auf Löwenwacht für den hohen Besuch des Prinzen laufen auf Hochtouren! Wie mein Bruder, Sir Santino Corleone, mir versichert hat, wird der Prinz in Mathringen mit allen Ehren empfangen und königlich bewirtet werden. Man wird keine Kosten und Mühen scheuen, um sich des Prinzen Wohlgefallen zu versichern.
Man wird zu Ehren des Prinzen und dessen Begleitern kein Schwarzbrot, sondern Weißbrot auftischen. Mein Bruder lässt eine erlesene Auswahl an Gemüse herbeischaffen, Rüben, Kohl, Lauch, Rettich, Möhren, Zwiebeln, Kürbisse, Gurken, Fenchel, Erbsen, Linsen und dicke Bohnen sollen der Gesandtschaft zur Auswahl bereitgestellt werden.
Selbstverständlich wird es aber auch eine fürstliche Auswahl an Wildbret geben. Die Gesandten sollen zwischen Wildschwein, Hirsch, Reh, Hase, Bär, Gemse, Steinbock, Eichhörnchen, Igel, Dachs, Wachtel, Rebhuhn, Fasan, Wildente, Taube und Fisch wählen können. Zudem soll es natürlich auch eine Auswahl an gemästetem Tierfleisch geben, wie Kalbs-, Rind- und Schweinefleisch. Wenn der Gesandtschaft danach gelüsten sollte, wird man bestimmt auch Schafsfleisch und Ziegenfleisch anbieten können.
Auch Früchte, wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren, Blaubeeren, Stachelbeeren, Weintrauben, Feigen und Datteln, sollen beim Festmahl gereicht werden. Gewiss wird man auch nicht an den teuren Gewürzen des Reiches sparen.
An Getränken wird man hauptsächlich Wasser und gesüßte und ungesüßte Weine reichen, aber wenn der ein oder andere Gesandte auf ein Bier zurückgreifen möchte, so wird man bestimmt auch diesem Wunsch entsprechen können.
Die Ehrengäste werden zusammen mit meinem Bruder Santino und meiner Schwester Constanzia an der Stirnseite des großen Saals zu Löwenwacht auf Lehnstühlen hinter einem auf einem Podest stehenden Tisch, der sogenannten hohen Tafel, residieren. An den Tischen der Längsseiten werden die übrigen Gäste Platz nehmen. Mein Bruder Fredo wird dem Festmahl nicht beiwohnen, da ich nicht Gefahr laufen möchte, der Gesandtschaft mit seinem Anblick den Appetit zu verderben. Man möge sein Fernbleiben daher entschuldigen!
Aufgrund der Unruhen in der Mark bitte ich den Prinzen nochmals mit Nachdruck meinen Bruder Santino etwas genauer in die Reisepläne der Gesandtschaft einzuweihen, damit man dem Prinzen eine persönliche Eskorte entgegenzusenden vermag!
Zumindest eine Eskorte ab dem sechsten Meilenstein vor den Stadtmauern Corleones ist allein nur der Ehrerbietung wegen nahezu unabdingbar, mein Prinz.
Auch dem Fürsten Istharel von Etîaedel würde mein Bruder gerne eine persönliche Eskorte entgegenschicken, um auch in diesem Fall ein erhöhtes Maß an Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können, da diese Verbrecher der sogenannten "arcionischen Volksfront" hohe Würdenträger zu Zielen ihrer verbrecherischen Aktionen machen könnten.
Ich darf noch einmal betonen, dass es für meine Familie und mich eine große Ehre darstellt, so hohen Besuch auf Löwenwacht empfangen zu dürfen. Alle Vorkehrungen für Gespräche und Honorationen, Privataudienzen mit Adel und Klerus und einer allgemeinen Audienz für das gemeine Volk durch den Prinzen werden selbstverständlich getroffen. Der mathringische Adel der corleonischen Region erwartet schon jetzt mit Spannung die Ankunft der Gesandtschaft in Mathringen, beziehungsweise in Corleone.
verneigt sich vor dem Prinzen
Nun noch ein paar wenige Worte zu der Einwanderungsproblematik, die vom Prinzen angesprochen wurde. Gewiss wird jeder Kronrat nachvollziehen können, dass es für ein Reich mehr als ärgerlich sein muss, qualifizierte Arbeitskräfte an andere Reiche zu verlieren! Das sollte außer Zweifel stehen ... aber nun betrachten wir es einmal von der anderen Seite!
Können wir denn einem "Wesen von Qualität" verübeln in unser Reich umsiedeln zu wollen, wenn es lieber hier leben möchte als anderswo? Ich meine Nein! Abgesehen davon wird dieser Vorgang auch schwerlich zu überprüfen sein, denn wenn ein Schmied aus Horim in unsere Lande wandert und sich irgendwo niederlässt und Anschluss findet, wird davon die Obrigkeit wenig bis rein gar nichts mitbekommen!
Natürlich könnten wir die Bevölkerung dazu aufrufen, sämtliche unbekannte Wesen, die sich in der Nähe von alteingesessenen Bürgern niederlassen, bei einer noch zu schaffenden Behörde zu melden und somit eine Überprüfung dieser Wesen einleiten, aber die Folgen wären beträchtlich.
Wenn einem "bekannten" Bürger dann ein "Fremder" unlieb aufstößt, wird der "bekannte" Bürger seine Position unter Umständen ausnutzen, um dem "Fremden" das Leben schwer zu machen.
Außerhalb der Städte könnte man auch den Adel auf den zu bewirtschaftenden Ländereien dazu aufrufen, Überprüfungen der Bevölkerung durchzuführen, aber einem Meinesgleichen wird ein tüchtiger "Fremder" mehr wert sein, als manch ein alteingesessener Bauer! Daher sehe ich auch hier nur mäßige Erfolgsaussichten!
Außerdem kann man schlecht einem Adligen zumuten Überprüfungen in großem Umfang durchzuführen, wie soll der Adlige herausfinden, ob der "Fremde" nun aus einem anderen Reich stammt, oder zum Beispiel nur von Tauffenburg nach Weissenfluh umgesiedelt ist!? Soll jeder Umsiedler dann vor seiner Umsiedlung von einer Behörde in der Mark einen "Umsiedlungspass" beantragen, oder wie sollte man sich das vorstellen!? Hoher bürokratischer Aufwand mit immensen Kosten, wenn sie mich fragen! Und wenn selbst der Reichszensus, den man sich hierbei natürlich in Ansätzen zu Nutze machen könnte, für manch einen schon einen zu hohen Aufwand dargestellt hat, wie soll das bei einem derartigen Unterfangen erst werden?
Aber kommen wir noch mal auf meinen Gedanken von vorhin zurück, können wir denn einem "qualifizierten Wesen" verübeln in unser Reich umsiedeln zu wollen, wenn es lieber hier leben möchte als anderswo? Wie gesagt, ich glaube Nein und gegen qualifizierte Arbeitskräfte kann ich auch keinen direkten Einwand finden, außer den außenpolitischen Konsequenzen! Aber viel schlimmer wird es, wenn nicht nur die qualifizierten Arbeitskräfte in unser Reich strömen, sondern wenn die ausländischen Taugenichtse folgen werden!
Warum sollten sie das tun, mögen sich nun einige Damen und Herren unter Ihnen fragen, ich will es Ihnen verraten!
blickt streng in die Gesichter der anwesenden Räte
Wegen des politischen Mitspracherechts für jedermann, meine Damen und Herren!
rollt mit den Augen
Ich will mich nicht immer und immer wieder wiederholen müssen! Dieser Rat hat es immer noch nicht geschafft, eine Zulassungsbeschränkung für dieses Gremium zu verabschieden!!! Wie kann das sein, frage ich Sie, meine Damen und Herren!? Sind Sie denn von allen guten Göttern verlassen? Es macht wenig Sinn erneut einen Antrag zur "Änderung der Reichsbulle Paragraph II. Art. 7" einzureichen, zumindest solange bis die Bedingungen zum Abstimmungsrecht nicht in Kraft getreten sind.
Aber ich möchte nochmals darum bitten, erklären Sie mir ihre Haltung zu dieser Thematik bitte! Bis auf Herrn Silbermond, der schlicht und ergreifend einfach auf zu kaufende Stimmen baut und dem es dementsprechend nur Recht sein kann, wenn hier jeder armselige Bauerntölpel in den Reihen zu sitzen vermag, oder unserem Flottenadmiral Mawhiney, der die Zulassung nicht an ein Vermögen binden möchte, sondern lieber einen immensen bürokratischen Aufwand via Informationsbeschaffung zur Befähigung durch Gilden, Garnisonen oder Wachposten zu potenziellen Ratsherren einzuholen gedenkt, kam keine Kritik ganz zu schweigen von umsetzbaren Alternativvorschlägen!
Der Flottenadmiral Mawhiney hat sich wenigstens Gedanken gemacht, Gedanken die zu einer anderen Zeit und unter anderen Umständen vielleicht auch umsetzbar sein werden, genauso wie das angestrebte "Patensystem" von Laìrd Anarion, aber derzeit sollte es uns darum gehen, schnellstmöglich dieses Gremium nach unten hin abzugrenzen und abzuschotten, damit wir hier nicht mit Bettlern und Strauchdieben die Reihen teilen müssen!
Ist denn ein Mindestvermögen von 100 Silbergroschen (OOG: keine OOG-Konsequenz!!! EOOG) wirklich zu viel verlangt??? Wozu wurde denn der Reichszensus durch den Rat bewilligt? Wobei ja selbst das Mindestvermögen noch durch ein ausdrückliches Empfehlungsschreiben des Königs umgangen werden kann!? Ist das wirklich zu viel verlangt, meine Damen und Herren? Ich meine Nein! Sollten Sie praktikable Alternativvorschläge haben, ich bin ganz Ohr! Aber einfach nur dagegen zu sein und zu stimmen, ohne weitere Worte dazu zu verlieren, ist ein armseliges Verhalten! Denken Sie darüber nach!
Gehabt Euch wohl!
Lang lebe König Harmud, lang lebe Prinz Soltan und lang leben des Königs Untertanen!
Nachdenklichen Schrittes verlässt der Lord das Rednerpult und kehrt in seiner Toga zu seinem Platz in den vordersten Reihen zurück
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