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Soltan erhebt sich und gibt zwei Saaldienern ein Zeichen, worauf sie eine große Truhe zum Rednerpult schleppen

Werte Kronräte!

Ich bin zutiefst beschämt. Nein, nicht über das, was in diesen Hallen bisweilen zum Vortrag gebracht wird. Sondern weil ich so freundlich und warmherzig hier in Kronstadt unter euch Kronräten, aber auch von den ganz normalen Bürgern aufgenommen wurde. Man hat mich mit Geschenken geradezu überhäuft und dafür möchte ich mich auf ganz besondere Weise bedanken.

Soltan öffnet die Truhe und nimmt einen alten Kompass heraus

Dieses gute Stück ist das Geschenk von Jake Mawhiney. Und ich sehe es als ein besonders sprechendes Stück an. Ein Kompass zeigt einem die Richtungen an, in die man gehen könnte. Und wenn man sich auf den Weg macht, ist er Orientierungshilfe. Viele Jahre war ich -ohne es zu wissen oder zu wollen- orientierungslos. Doch nun habe ich den Weg in die Heimat zurückgefunden, und leihe meinen starken Arm der Macht, die auch mich hervorgebracht hat.

Doch hat der Kompass noch eine andere Bedeutung. Er steht für eure Sorgen und Nöte, dass wir es noch nicht einmal geschafft haben, ordentliche Räumlichkeiten für gemeinsame Interessen gestaltet zu haben. Das liegt, habe ich mir sagen lassen, daran, dass dieser Teil des Königlichen Schlosses, das der König dem Kronrat als Versammlungs- und Nebenräume zur Verfügung gestellt hat, noch nicht fertig umgebaut und mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet ist. Der königliche Baumeister arbeitet aber fieberhaft daran.

Die zweite Sorge gilt dem Reich bzw. dessen Aussehen und Ausdehnung. Da kann ich gute Kunde bringen. Der König ernennt nämlich in seiner grenzenlosen Weisheit den Kronrat Samuel Beckett zum Königlichen Kartographen. Er arbeitet bereits an einer Übersichtskarte der bekannten Regionen unseres Kontinents, die er uns bald hier im Plenum vorstellen wird. Und wenn wir ihn schön darum bitten, wird er dem Rat vielleicht auch Detailkarten von Nâscor, seinen Marken und einen Stadtplan von Kronstadt zur Verfügung stellen. Über Hilfe ist er dabei sicher froh.

Soltan geht zu Sam Beckett und steckt ihm die goldene Kartographennadel an bevor er mit der Rede fortfährt.

Eines meiner Geschenke habe ich nicht mit in den Rat gebracht. Es ist ein edles Pferd, das Lady Nay für mich auf Kosten von Lord Corleone ausgesucht hat. Ich möchte beiden sehr herzlich dafür danken. Und auch das Pferd ist das Symbol für Arbeit, die noch vor uns liegt. Ich habe mich in Kronstadt umgehört, weil ich wissen wollte, wie groß unser Reich ist und wie es im Verhältnis zu den anderen Reichen liegt. Wie Ihr wisst, bin ich aus Arcion angereist. Und obwohl ich ein gutes Pferd genommen habe, war ich ohne besondere Eile fünfzehn Tage bis nach Kronstadt unterwegs. Nun wollte ich wissen, wie lange man z.B. nach Weissenfluh oder nach Ehrenfurt braucht. Ich bekam ganz erstaunliche Antworten wie: „Noch nicht einmal einen Mondzykus.“ oder „Im Ochsenkarren zwei Schupp und einen halben.“ oder auch: „Das hat noch niemanden gekümmert. Wenn wir da waren, waren wir eben da.“ Es dürfte nicht verwundern, dass das letzte Zitat von einem Hobbit stammt. Aber wußtet ihr, dass ein Schupp ein altes zwergisches Zeitmaß ist und etwa sechs Tage umfasst? Und wenn ich sage etwa, meine ich das auch. Es ist eine Doppelschicht in den Bergwerken, die vom Morgen des ersten Tags bis zum Abend des sechsten Tags geht. Mit den Entfernungsmaßeinheiten ist es natürlich nicht besser bestellt.

Diese alten landestypischen oder regionalen Bezeichnungen werden wir sicher nicht ändern können. Aber wir können zumindest im Kronrat dafür sorgen, dass wir einheitliche Maßstäbe verwenden. Und dazu gehört eine Berechnung der Reisezeiten. Wir haben das Glück, Kronräte aus den verschiedenen Teilen des Reiches unter uns zu haben. Dazu Kaufleute und Karawanenführer, bei denen solche Kalkulationen über Gewinn oder Totalverlust entscheiden können. Ich bitte daher alle, den Rat an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Dies muss nicht in einer ganzen Rede sein. Ein Kommentar tut es auch, oder ein einleitender Satz in einer Rede. Als griffige Maßeinheit hätte ich zunächst einen Reisetag zu Pferde in durchschnittlicher Reisegeschwindigkeit vorgeschlagen. Wenn wir dann unsere kleinen Beratungszimmer im Rat fertiggestellt haben, könnte auch ein einheitliches Längenmaß die Transparenz der Reden erhöhen. Ich möchte wiederholen: Dies kann nicht das Werk eines Einzelnen sein. Sehen wir, ob der Rat im Stande ist, in so einer einfachen, aber wichtigen Sache zusammen zu arbeiten.

Soltan greift wieder in die Kiste und holt ein schönes Schwert in einer goldbeschlagenen Scheide heraus. Zwei Saaldiener stellen sich mit betretenem Gesichtsausdruck neben ihn

Ich weiß, dass es nicht erlaubt ist, Waffen in den Rat zu bringen. Aber die beiden Herren hier habe ich gebeten aufzupassen, dass ich keinen Unsinn anstelle. Ich lasse die Waffe auch schön in der Scheide stecken, obwohl ich euch gerne die anmutige Schönheit und Brillanz der Klinge gezeigt hätte. Dieses Schwert ist ein Geschenk des Handelshauses Wittenborg. Und ich danke dem werten Meister Wittenborg sehr dafür. Es wird einen Ehrenplatz in meiner Sammlung bekommen. Das Schwert ist ein Symbol der Widerstandskraft, der Stärke, ja auch der Brutalität. Aber daneben im übertragenen Sinne auch der Zeit, die das schärfste aller Schwerter ist, weil ihr niemand entgehen kann. Doch, mögt Ihr sagen! Denn dem Kronrat schlägt noch keine Stunde. Seid versichert, dass die Götter sehr wohl unsere Stunden zählen, und die Mechaniker daran arbeiten, dies auch für uns sichtbar zu machen. Bis dahin aber noch etwas Geduld.

Etwas habe ich hier noch. Soltan greift in die Truhe, zieht einen goldenen Kronreif hervor, setzt ihn kurz auf, schaut in die Runde, nimmt den Reif wieder ab und legt ihn dann vor sich hin

Werte Räte!

Den werde ich mir erst noch durch meine Taten verdienen müssen. Der Kronreif, den ich als Prinz tragen soll, ist natürlich ein Geschenk des Königs aus seiner Schatzkammer. Aber vergessen wir nicht, dass wir als Kronräte alle im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Und dass wir uns die Würde, die Achtung und das Vertrauen der Wesen, die wir vertreten, erst noch verdienen müssen. Wie es bisweilen hier im Rat zugeht, spottet jeder Beschreibung. Und daher will ich die Räte auffordern, gemeinsam einen Ehren- und Verhaltenskodex für den Kronrat zu formulieren, der über die nackten Bestimmungen der Goldenen Bulle von Kronstadt hinaus geht. Der Ehrenkodex sollte auch mit Sanktionen versehen sein, die der König oder ich als sein Vertreter verhängen können und auch werden. Bis zur Einrichtung eines geeigneten Interessentenraumes gebe ich das Parkett zur Diskussion darüber frei. Doch sollte sich ein jeder auch selbst an seinen Vorschlägen messen lassen.

Damit will ich es für heute bewenden lassen. Nicht, dass mir die Geschenke bereits ausgegangen wären, aber... Soltan greift noch einmal in die Kiste und holt eine große Spindel mit silbrig glänzendem Garn hervor ...ich möchte nicht, dass jemandem der Geduldsfaden reißt.

Lächelnd packt Soltan seine Geschenke wieder in die Kiste und bittet die Saaldiener, sie zu seinen anderen Sachen zu bringen

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am 25. Feb 2011

Kommentare

Ich warte auch auf eine Karte um zu sehen wie den mein Flecken Erde sich da einfügt. – Shian hauws ov te Prahe am 26. Feb 2011
Mein Dank gilt hier insbesondere Sir Beckett, ich bin auf die Reichskarte mehr als gespannt! – Lady Nay am 26. Feb 2011
ZKG und ein paar Zeichen.. – Hiawatha von Hesperus am 26. Feb 2011
Habt Dank, Prinz Soltan! Mit Freude darf ich verkünden, dass die Karte endlich fertiggestellt ist. Nur Seine Majestät, König Harmud, muß sie noch absegnen. Es war mir eine Ehre dem Reich dienen zu dürfen. – Samuel Beckett am 26. Feb 2011
Welch ein Segen. Bald werden wir also detailierte Karten in den Händen halten. – Adalbert von Greifenstein am 25. Feb 2011
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