Ein Saaldiener erscheint und verkündet "Erheben sie sich für seine Majestät König Harmud von Nāscor"
Der König erscheint mit einem Lakeien, welcher ein Bünde Papiere hinter ihm herträgt
Verehrte Kronräte
Bald ist es soweit und die Reichsoberen können ihre Ämter antreten, aber bis es soweit ist, gibt es noch einige Informationen, die ich an diesen Rat weitergeben will und muss.
Bisher wurde nur wenig über unsere Nachbarn erzählt, das soll natürlich noch nachgeholt werden. Prinz Soltan hat in seiner Rede bereits das Königreich Horim etwas näher vorgestellt. Ich werde nun einige Fakten rund um das Kaiserreich Kaleer berichten.
In meiner Rede habe ich bereits einige Informationen vermittelt, auf dich hier nur noch näher eingehen will.
Über die Geschichte Kaleers könnte man hier eine ganze Reihe an Reden halten, schon alleine wenn man alle Schlachten und Kaiser aufzählen möchte. Ich will deshalb eine kurze Abhandlung über die Geschichte Riadas und Kaleers halten. Bevor ich damit aber anfange, muss gesagt sein, dass die Zeitangaben in dieser Geschichte sich auf den Kollarinkalender (kurz KK) beziehen. Das Jahr Null in diesem Kalender wäre 644 vor der Gründung Nāscors. Das nur damit Ihr euch etwas unter den Jahreszahlen vorstellen könnt.
Riada war schon zu Beginn der neuen Rassen eine Sieldung und dank ihrer guten Lage, wuchs Riada sehr schnell und breitet ihren Einfluss auf die umliegenden Gebiete aus. Ein Fürst Solathen war es, der mit rücksichtsloser Härte die Gebiete rund um die Stadt unterjochte und so Riada zur Vorherrschaft in diesem Gebiet führte. Sein Enkelsohn war es, Kollarin, der sich selbst zum Kaiser von Kaleer krönte und damit das Kaiserreich begründete. Auf seine Krönung und seinen Namen ist auch der noch heute gebräuchliche Kalender Kaleers zurückzuführen. Er war es auch, der mit dem expansiven Streben gegen seine Nachbarn begann. Schon im Jahre 90 des Kollarinkalenders beherrschte Kaleer grosse Teile des südlichen und westlichen Estonas. Die kleineren Fürstentümer, Stämme und Stadtstaaten, die sich ansonsten auf dem Kontinent ausgebreitet hatten, waren der schlagkräftigen Armee und der strafen Verwaltung Kaleers nicht gewachsen und so machte sie das Kaiserreich immer mehr Gebiete untertan. Es war im Jahre 156 KK, als nicht weit von hier, viele der freien Völker sich zusammenschlossen und gegen die Truppen Kaleers marschierten. Kaiser Lothan III., der zu jener Zeit das Reich regiert, sah sich einer ernsten Bedrohung ausgesetzt. Es war das erste Mal in der Geschichte des Kaiserreichs, dass eine grosse Schlacht verloren ging. Lothan III. floh vom Feld des Geschehens und ließ seine Armee zurück. Doch die Zerstrittenheit der Sieger und ihre unterschiedlichen Motive verhinderten, dass aus der Schwäche Kaleers Profit geschlagen werden konnte. Nur sieben Jahre später kehrte Kaiser Lothan III. zurück und in der Nähe von Radhorn (natürlich hatte die Stadt damals noch einen anderen Namen), trat er erneut zur Schlacht an. Dieses Mal war er siegreich und im Gegensatz zu seinen Kontrahenten zögerte er nicht, seinen Erfolg auszunutzen. Er unterwarf beinahe alles, was wir heute als Königreich Nāscor kennen.
Danach kehrte eine Periode der Ruhe und des Friedens ein. Doch im Stillen rüstete sich Kaleer bereits zum nächsten Krieg. 207 KK begann Kaiser Lothan V. einen Feldzug, um den Westen Estonas zu unterwerfen. Es sollte ein mehr als 30 Jahre andauernder Feldzug werden, an dessen Ende Kaleer sich auch diese Gebiete einverleibte. 226 KK war es Kaiser Lothan VI., der die Unterwerfung der letzten freien Städte im heutigen Arcion entgegennahm. Erneut sollte eine Epoche der Ruhe und des Friedens einkehren, in denen sich als Völker des großen Kaiserreichs entwickeln konnten. Die Machtansprüche der Kaiser von Kaleer waren aber noch nicht befriedigt.
389 KK begann das Kaiserreich einen Feldzug gegen Norden, gegen die Elbenfürsten. Die Elben, die bereits früher Kaleer bekämpft hatten, wurden von dieser Dreistigkeit überrascht, so sagt zumindest die Geschichtsschreibung und vermochten sich zu Beginn kaum zu wehren. Sieg an Sieg konnte Kaiser Goreus aneinanderreihen und es sah so aus, als wäre bald Horim der letzte Staat, der nicht unter dem Banner des Kaiserreichs stand. Auch die Zwergen Horims, die sich sonst kaum außerhalb ihrer Berge zeigten, erkannten den Zahn der Zeit und verhalfen den Elben zu einem Sieg im Jahre 410 KK. Goreus und sein ältester Sohn fielen in der Schlacht. Kaum jedoch war der Sieg errungen, zogen sich die Zwerge zurück in ihr Reich und die Elbenfürsten, geschwächt vom Krieg, beließen es dabei, die Reste ihres Reiches zu schützen. Die Niederlage schwächte Kaleer nur kurz und sie wussten, dass sie ein Bündnis zwischen den verbleibenden freien Völkern verhindern mussten. So trieben sie mit ihren Armeen ein Keil zwischen Narevien und Horim. Einen weiteren Angriff wagten jedoch auch sie nicht.
Ein Reich, dass eine Grösse hat, wie es Kaleer damals hatte, brauchte auch einen Feind, den es bekämpfen konnte. Doch die Elben in Narevien hatten bewiesen, dass sie ein Gegner waren, den selbst Kaleer nicht so einfach niederringen konnten und ein Kampf in den Bergen Horims, war ein strategischer Albtraum. Aus diesen Gründen wendet sich Kaleer dem letzten Feind zu, den es noch hatte: Dem wilden Ostland. Zwischen 450 und 550 KK gab es verschiedene Expansionen in den Osten. Der berühmte Feldherr Vrederik zu Tieschenn führte wohl die einzige Expedition an, die es bis in die tiefen des Ostlands schaffte. Darüber werde ich berichten, wenn ich meinen letzten Auslandsbericht über den Osten abliefere.
Gleichzeitig bedeuteten diese Expansionen in den Osten auch den Anfang vom Ende des Kaiserreichs. Mit dem Untergang von Vrederik zu Tischenns Armee, irgendwo im Osten, verschwanden auch grosse Teile der Truppen Kaleers. Das Reich war verschuldet, die Steuern erdrückend hoch und die Adligen und der Klerus bedienten sich maßlos an allem, was sie in die Finger bekamen. Es kam zu Aufständen und Rebellionen. Die ersten Umsturzversuche vermochte Kaleer noch niederzuringen, bald jedoch war dies nicht mehr möglich. Teil des Nordens und des Westens sagten sich los und weitere Gebiete folgten. Die Anführer Kaleers waren zu jener Zeit viel mehr mit ihrer eigenen Macht und ihrem Wohlstand beschäftigt, als dass sie sich für die Politik des Reiches interessiert hätten. Der Höhepunkt dieser Entwicklung stelle das Vierkaiserjahr dar. Es begann mit dem Tod Kaiser Alfons IV. Drauf kam die Machtergreifung und Absetzung innerhalb von nur acht Wochen, von Alfons Bruder Willhen. Auf ihn folgte Alfons Sohn Berthon IV., welcher noch im Monat seiner Krönung zur Abdankung gezwungen wurde. Am Ende der Entwicklung steht, die bis heute mysteriöse Ermordung von Bethon V. All das im Jahre 614 KK oder 30 Jahre vor der Gründung Nāscors. Was darauf geschah, habe ich schon in oben erwähnter Rede beschrieben. Kaleer zog sich, Stück für Stück, auf jene Gebiete zurück, die wir heute als Kaiserreich Kaleer kennen.
Ich gebe zu, die Geschichte ist länger geworden, als ich geplant hatte, aber kürzer hätte ich es kaum machen können.
Zur Geografie des Landes
Riada das kulturelle und politische Zentrum des Landes liegt am Fluss Fahr, welcher vom Eisengebirge bis ins Meer fliest. Der zweite große Storm des Landes, der dem Fahr entspringt, heisst Kalen an dessen Ende die Hafenstadt Hohburg liegt. Der grosse Wald der Riada und Hohburg trennt, wird auf Grund seiner majestätischen Bäume, Kaiserwald genannt. Der Wald an der Grenze zu Mathringen und dem Mathringgebirge ist der Poneca. Am westlichen Ende des Ponecas, direkt am Fuße des Eisengebirges, liegt die zweitgrößte Stadt des Kaiserreich: Solathan. Der einsame Berg im Osten des Reiches, auch auf der Karte von Sir Beckettt schön zu sehen, wird Weissenstein genannt und der Legende zu folge standen auf dessen Gipfel die alten Götter, als sie das Leben auf Estona schufen. Es gibt noch eine Menge weiterer Städte und Orte, die ich hier benennen könnte, aber ich denke als Übersicht reicht das Gesagte völlig aus.
Wirtschaft
Das Kaiserreich Kaleer besitzt reiche Rohstoffquellen, insbesondere Metalle, Edelsteine, Holz und Steinbrücke sind hier zu nennen. Diese werden auch abgebaut und über die Flüsse, das Meer und den Landweg im ganzen Reich und auch ins Ausland verfrachtet. Mangelware dafür ist Weizen. Kaleer hat eine grosse Bevölkerung und kämpft stets mit dem Problem, sie alle ernähren zu müssen. Handwerker jeder Art sind Kaleer geschätzt und beliebt. Ihre Fachkunst wird gefördert und weiterentwickelt. Gerade die Schmiedekunst und die Edelsteinschleifkunst aus Kaleer, ist auf ganz Estona bekannt und gefragt.
Politik
Kaiser Volort regiert Kaleer seit 15 Jahren und konnte dem Land, nach einer Phase der Unsicherheit, wieder eine gewisse Stabilität bringen. Die Zeit der absoluten Herrschaft der Kaiser gehört jedoch der Vergangenheit an. Längst ist der Kaiser gezwungen mit einem Hohen Rat aus verdienten Mitgliedern von Adel, Klerus und Militär zusammenzuarbeiten. Wer dabei wie viel Macht und Einfluss hat, entscheidet sich beinahe täglich neu. Die grundsätzliche Stellung des Kaisers hingegen, hat sich seit der Herrschaft Volorts wieder gefestigt. Die drei einflussreichsten Personen, neben dem Kaiser, sind seit einigen Jahren die Selben, nämlich: General Dorius von Hemthal, welcher mütterlicherseits mit dem Kaiser verwandt ist, Erzprior August zu Rehenfang und Gräfin Eleonore von und zu Maldan. Sie sind die prägenden Persönlichkeiten der Politik Kaleers.
Beziehung zum Königreich Nāscor
Noch unter meinem Großvater und meinem Vater war es zu mehreren bewaffneten Konflikten zwischen Kaleer und Nāscor gekommen. Das Resultat war, dass Nāscor Teil des südens von Tauffenburg an Kaleer velror und sogar Euphis wurde einige Zeit belagert. Euphis konnte standhalten und einige Jahre später vermochte das Königreich, unter meinem Vater König Rhogar, sich diese Landstriche zurückzuerkämpfen. Seither herrschte ein Patt zwischen uns und dem Kaiserreich Kaleer. Die Situation entspannte sich während meiner Herrschaft und gerade Kaiser Volort, beschäftigt mit Konflikten im Inneren, war nur wenig gelegen an Streit mit Nāscor. So kam es, dass in den letzten zehn Jahren mehrere Handelsabkommen geschlossen wurden. Zum einen liefert Kaleer Erz und Kohle an Nāscor, dafür beliefert Nāscor Kaleer mit Weizen und Obst. In einem weiteren Abkommen wurden Zölle und Warenpreise zwischen Nāscor und Kaleer festgelegt. Allgemein lässt sich sagen, dass die Beziehungen zum Kaiserreich Kaleer besser sind, als sie es noch zu Zeiten meiner Vorgänger waren. Trotz dieses sehr erfreulichen Umstands, muss immer bedacht werden, dass es Fraktionen in der Politik Kaleers gibt, die Nāscor, oder zumindest Teile davon, nur zu gerne wieder als Teil des Kaiserreichs sehen würden.
So, ich hoffe ich habe Euch nicht zu sehr gelangweilt. Es ist aber unabdinglich, dass ein zukünftiger Reichsgesandter diese Informationen zur Verfügung hat und mit ihm auch jeder Kronrat.
Harmud verlässt das Podium und begibt sich in seine Loge
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